Heddesheim

Heddesheim Amtierendes Prinzenpaar aus Weiterstadt lebt seit 2013 in der Gemeinde / Kennenlern-Besuch der örtlichen „Grumbe“

Gipfeltreffen mit Ahoi und Helau

Die einen rufen Ahoi, die anderen Helau, doch selbst derart schwerwiegende kulturelle Unterschiede sind bei dem informellen Gipfeltreffen der närrischen Regenten schnell überwunden. Nach kurzem Üben sitzt der gemeinsame, donnernde Narrenruf „Grumbe-Ahoi, Weiterstadt Helau“. Spätestens dann dürften auch die Nachbarn in der Heddesheimer Brentanostraße ahnen, was Sache ist: Bernd (56) und Susanne Schellmann (50), Prinzenpaar des Karnevalvereins Weiterstadt (KVK), haben hohen Besuch.

Gemeinsam mit einem Teil ihres Noch-nicht-ganz-Gefolges – erst heute werden die beiden in Weiterstadt offiziell inthronisiert – empfangen „de Prinz“ und seine Prinzessin die Grumbe-Delegation um deren Hoheit Sabrina III. (24) von Rhythmus und Beat.

Spontane Einladung

„Ihr seid schon in Heddesheim bekannt“, berichtet die zweite Grumbe-Vorsitzende Ilkay Gramlich den Gastgebern von einem Besuch im örtlichen Blumengeschäft. Dort hatte zuvor auch KVW-Lieblichkeit Susanne Schmückendes für ihre Kampagne eingekauft – so etwas spricht sich herum. Persönlich getroffen haben sich die Narren der beiden Vereine bis zu dem vom „MM“ angeregten Gipfeltreffen am Mittwochabend jedoch noch nicht. „Toll, dass es geklappt hat“, freut sich die viel beschäftigte Grumbe-Prinzessin über die spontane Einladung durch die Schellmanns. Menschen kennenzulernen, gehört für Sabrina Mayer zu den besonders schönen Seiten ihrer Regentschaft, wie sie erklärt.

Ein Kennenlernen ist auch dieses Treffen. Die große Flasche Sekt ist noch nicht geöffnet, da ist das Eis zwischen den hessischen und badischen Narren schon geschmolzen. Die gemeinsame Leidenschaft zum Karneval verbindet. Lachend werden Orden verteilt – und jede Menge Küsschen links und rechts. Dass Heddesheim Wohnort eines amtierenden Prinzenpaars eines ortsfremden Vereins ist, hat man schließlich nicht alle Tage.

Seit vier Jahren wohnen die Schellmanns im Neubaugebiet Westlich der Uhlandstraße. Er arbeitet in Heilbronn, sie in Darmstadt – von hier aus kommen beide gut zum Ziel. 40 Jahre seines Lebens verbrachte Bernd Schellmann in Weiterstadt, wuchs sozusagen im dortigen Karnevalverein auf: „Meine Eltern waren 1971 Prinzenpaar“, sagt er und zeigt er auf ein altes Foto an der Wand. Wie das Leben so spielt, führten ihn seine Wege irgendwann aus der Heimat fort, und der Kontakt zum KVW riss über viele Jahre ab. Umso größer war die Freude, als die Kumpels von früher im August vergangenen Jahres anfragten, ob er ihr Prinz werden wolle. „Ich war sofort Feuer und Flamme“, gesteht Schellmann. Für ihn war es wie „Heimkommen“. Nach anfänglichem Zögern („Ich habe durchaus Respekt vor der Aufgabe“) war auch seine Frau Susanne überzeugt – aus „Liebe zu meinem Mann und weil ich von Grund auf ein fröhlicher Mensch bin“, wie sie erklärt. Das neue Amt macht ihr schon jetzt große Freude: „Gerade von älteren Menschen und Kindern kommt so viel zurück“, schwärmt sie von den ersten Begegnungen als „Hoheit“.

Nächstes Jahr ein Jubiläum

Im Gegensatz zu Susanne hat Sabrina in der Kampagne keinen Prinzen an ihrer Seite. „Warum?“, will der Weiterstädter Gardegeneral Axel Hirsch wissen. „Wir haben nur in Jubiläumsjahren ein Prinzenpaar“, klärt Sabrina III gern auf. 2019 werden die Grumbe 22 Jahre, dann ist es wieder soweit. Auch andere Riten und Regeln der jeweiligen Vereine werden in der Schellmann’schen Küche heiß diskutiert. Besonders ein strenges Grumbe-Gesetz sollten sich die Weiterstädter für weitere Zusammenkünfte merken: Beim Ordenstausch müssen vor dem obligatorischen Prinzessinnen-Küsschen die Kappen wieder aufgesetzt werden – sonst werden 111,11 Euro in die Vereinskasse fällig. Dank freundlicher Erinnerung ist Bernd Schellmann bei der Premiere da gerade noch mal daran vorbeigeschlittert . . .