Heddesheim

Heddesheim Saisonabschluss von „Theater im Bürgerhaus“

Griesgram mit Herz bringt emotionales Chaos

„Im Sommer 2016 eroberte der Film „Frühstück mit Monsieur Henri“, die deutschen Kinos, jetzt gelang dies auch als Theaterstück im Heddesheimer Bürgerhaus bei den begeisterten Besuchern. Autor Ivan Calbérac beschreibt die komischen Verwicklungen einer hinreißenden Wohngemeinschaft, die einen grimmigen Herren das Fürchten und das Lieben lehrt. Was auf den französischen Bühnen bereits gut ankam, war auch in Deutschland von Erfolg gekrönt. Vier Personen, jede davon hat eigentlich mit sich selbst genug zu tun, bringen das Stück auf die Bühne.

Ulli Kinalzik (Jahrgang 1939) gibt den grantigen Henri. Er ist ein Bühnenfuchs, seine jahrzehntelange Erfahrung ist deutlich zu spüren. In zahllosen TV-Serien war er zu sehen und hat in Filmproduktionen mitgewirkt. Ronja Geburzky ist mit 27 Jahren die jüngste auf der Bürgerhausbühne, gewinnt aber durch ihr tolles Spiel die Herzen des Publikums im Handumdrehen. Sie ist Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin, fühlt sich auf der Bühne pudelwohl. Geburzky überzeugt in der Rolle der Studentin Constance und wird zum Publikumsliebling.

Bereits während der Schulzeit entdeckte Florian Battermann seine Leidenschaft für das Theater. Er hat als Regieassistent und Schauspieler Erfolge gesammelt und leitet die Komödie am Altstadtmarkt in Braunschweig. Den unterdrückten Sohn Paul spielt er hinreißend, mal komisch, mal verzweifelt oder ganz verliebt. Als Valerie hat Sonja Wigger den kleinsten Part des Stückes, gefiel dennoch durch ihre gekonnt dargestellten Rolle der ungeliebten Schwiegertochter.

Zum Stück: In der Pariser Altstadtwohnung lebt der stets grimmige und bärbeißige Henri nach dem Tod seiner Frau ganz alleine. Er fühlt sich wohl, sagt er. Er nörgelt an allen herum, auch und besonders an seinem Sohn und der Schwiegertochter, dieser Pute. Paul hält eine Wohngemeinschaft für den gesundheitlich angeschlagenen Vater als die beste Lösung. Die Spannungen sind vorprogrammiert. „Sie sind so positiv, das geht mir auf den Geist“, sagte Henri. „Mein Sohn, der Blödmann, ist mit einer Idiotin verheiratet“, eine der wenig schmeichelhaften Bemerkungen des Seniors.

Großer Unterhaltungswert

Das Seelenleben der Protagonisten wird deutlich aufgezeigt. Der alte Griesgram ist gegen Jeden und Alles, zumindest äußerlich. Doch auch er hat ein Herz, kann den Tod seiner Frau, sie fiel betrunken aus dem Fenster, nicht überwinden. Er diktiert mit großer Strenge seine Umgebung, stellt Bedingungen, fordert viel Toleranz von seinem Umfeld. Das „Wohnen auf Zeit“ zeigt aber dann viele Emotionen und die teils chaotischen zwischenmenschlichen Beziehungen.

Fragen des Lebens wurden mit viel Humor und großer Nachdenklichkeit behandelt. Es ist ein Stück von großem Unterhaltungswert, das von dem blendend aufgelegten Ensemble hervorragend auf die Bühne gebracht wurde. Die Bravorufe für die Schauspieler waren der Lohn für einen gelungenen Abend.