Heddesheim

Heddesheim Grünen-Fraktionschef Günther Heinisch wünscht sich mehr Bäume als Schutz gegen die Folgen des Klimawandels / Nein zu Neubaugebieten

„Grüner Ring statt Ringstraße“

Mit ihrem Antrag auf einen hauptamtlichen Umweltingenieur im Rathaus sind die Grünen 2017 gescheitert. Aufgeben ist für Fraktionschef Günther Heinisch bei dem Thema jedoch keine Option. „Es geht ums Überleben“, sagt er im Sommerinterview mit dieser Zeitung.

Herr Heinisch, als Treffpunkt für dieses Gespräch haben Sie den Vogelpark gewählt. Warum?

Günther Heinisch: Weil das ein Ort ist, an dem man symbolisch viele Probleme aufzeigen kann. Es wäre schön, Heddesheim wäre nicht nur hier so grün.

Sondern wo sonst noch?

Heinisch: Am liebsten um den ganzen Ort herum. Wenn der Klimawandel kommt, sind Grün- und Versickerungsflächen die einzige Rettung vor aufgeheiztem Beton, Pflaster und Asphalt. In Heddesheim gibt es aber leider den Trend, dass Grünflächen eher verschwinden. Beispiel Altes Rathaus: Selbst die Buchshecken und die Linde mussten weg.

Welche Probleme lassen sich Ihrer Ansicht nach noch an diesem schönen Ort aufzeigen?

Heinisch: Das Nitrat-Problem. Wir stehen hier am Rand des Badesees, und dessen Wasserqualität ist extrem gut, wir haben fast nitratfreies Wasser. Würde man hier Wasser entnehmen, wäre man nicht so abhängig vom Tiefbrunnen in Ladenburg.

Ist das ernsthaft Ihr Vorschlag: Trinkwasser aus dem Badesee?

Heinisch: Natürlich nicht. Aber wenn der Wassergewinnungsverband mal einen eigenen Brunnen braucht, weil auch der Ladenburger zunehmende Nitratwerte aufweist, dann wäre hier eine geeignete Stelle dafür.

Nochmal zu Ihrem Grüngürtel. Das klingt allein schon deshalb nicht realistisch, weil die Flächen im Süden Heddesheims schon zu Ladenburg gehören.

Heinisch: Es gibt auch viele andere Möglichkeiten. Anstatt Neubaugebiete auf der grünen Wiese auszuweisen – wie aktuell Mitten im Feld – wäre es fürs Überleben künftiger Generationen besser, man würde dort Bäume pflanzen. Gleiches gilt für die Ortsmitte: Wo jetzt das neue Café hin soll, entsteht viel Pflaster. Bäume wären für das Mikroklima besser.

Zwischen Unterdorf- und Schulstraße ist doch ein großzügiger Grünbereich geplant!

Heinisch: Das ist ja auch gut so. Für die Zukunft wird das aber nicht reichen. Man sollte auch im Ort öfter mal Bäume pflanzen, wo ein Haus abgerissen wird.

Geld wächst allerdings nicht auf Bäumen. Wenn die Gemeinde ein Grundstück kauft und dort noch Grünpflege betreibt, wird’s teuer.

Heinisch: Klimaschutz kostet nun einmal Geld.

Würde im Ort jede Freifläche begrünt, müsste erst recht Wohnraum auf der grünen Wiese entstehen – wo Sie ihn auch nicht wollen.

Heinisch: Weil wir die Wohnflächen, die jetzt entstehen, in wenigen Jahrzehnten nicht mehr brauchen. Viele Menschen werden dann gar nicht mehr hier wohnen wollen. Der ganze Oberrheingraben wird verdammt heiß werden. Dazu gibt es Studien. Unabhängig davon sind Neubaugebiete aus wirtschaftlicher Sicht Quatsch, denn sie ziehen Folgekosten nach sich. Ich sage nur: Erweiterung der Grundschule oder des kommunalen Kindergartens.

Was wollen Sie und Ihre Kollegen im Gemeinderat beim Thema Klima bewirken?

Heinisch: Die Gemeinde braucht einen Plan. Dafür wollten wir ja einen Umweltingenieur in der Verwaltung etablieren.

Womit sie vor einem Jahr gescheitert sind. Die Mehrheit sagt: Die Gemeinde tut da schon genug.

Heinisch: Was wir meinen, ist ja nicht Grünpflege, sondern ein Begrünungskonzept, das von Fassaden über Bäume bis zu Pflanzkübeln reicht. Nehmen wir dieses Biotop am Vogelpark: Das ist viel mehr wert als alles, was derzeit als Biotopvernetzung staatlich organisiert wird. Allein deswegen wäre es richtig, wenn jemand ein solches Herzblut auch in die Verwaltung hineinträgt.

Konkret werden Sie also was tun?

Heinisch: Wir stellen den Antrag neu und arbeiten die Forderungen der SPD ein. Deren Hauptkritikpunkt war die fehlende Tätigkeitsbeschreibung für einen Umweltingenieur. Das ist der wichtigste Antrag, der bisher in Heddesheim gestellt wurde, denn es geht ums Überleben.

Verkehr ist nicht mehr so wichtig? Jetzt, wo mit der neuen Neckarbrücke vielleicht noch mehr auf Heddesheim zurollt?

Heinisch: Das Thema ist ebenfalls wichtig – aber nicht mit der Ringstraße zu lösen. In Ilvesheim und Seckenheim reden wir von 24 000 Autos am Tag, von denen mit der Brücke etwa die Hälfte wegfällt. Heddesheim hat keine Straße mit mehr als 8400 Autos. Und selbst, wenn es ein paar mehr würden: Auf die Zahl in Seckenheim oder Ilvesheim – wohl gemerkt nach ihrer Entlastung – kommen wir lange nicht. Hinzu kommt: Dem Pkw-Verkehr können wir die Fahrt durch den Ort nicht verbieten. Das Land würde also 80 Millionen Euro ausgeben, nur um die Lkw um den Ort zu leiten. Das steht doch in keinem Verhältnis.