Heddesheim

Heddesheim Lellebollem begeistern im Bürgerhaus mit der Komödie Aromatherapie / Regisseurin Bärbel Schätzle hört auf

„Ich war auf ein Kamel eifersüchtig!“

„Dass die Zuschauer so viel lachen, haben wir nicht erwartet“, freute sich Souffleuse Karin Gehrmann und erklärte, dass man nach so vielen Proben wahrscheinlich einfach abstumpfe und die Lacher nicht mehr so intensiv wahrnehme. Mit Theaterpädagoge Thomas H. Schiffmacher öffnete sie vergangenen Freitagabend den Vorhang. Das Publikum im rappelvollen Bürgerhaus applaudierte bei der Premiere voller Vorfreude auf das Stück „Aromatherapie“. Die Komödie in drei Akten von Sigrid Ellenberger haben sich die Lellebollems laut Regisseurin Bärbel Schätzle ein halbes Jahr zuvor ausgesucht.

Schon zu Beginn gab es viel zu Lachen: Putzfrau, nein „Housekeeperin“ Rosel begrüßte die Zuschauer beim Aufräumen und Bücken mit ihrem Allerwertesten. „Roseeel, wo simma denn hier?“, machte Hotelbesitzerin Dammbichler ihre Mitarbeiterin auf die anstößige Art aufmerksam. Dass Rosel nicht nur Putzen, sondern jetzt auch noch die neu eingetroffenen Fläschchen mit den richtigen Etiketten versehen muss, nervte sie erst recht. Da war es fast klar, dass am Ende auf keiner Flasche das richtige Etikett klebte. Dort, wo „Lavendel“ drauf stand, war beispielsweise „Pfefferminz“ drin.

Im Hotel „Zur sanften Brise“ bietet Dammbichler Entspannungswochenenden mit Aromatherapie an. An diesem Wochenende aber konnten sich nicht alle entspannen. Melissa Mohnhaupt, die sich ihr Leben nicht ohne moderne Technik vorstellen kann, musste ihr Handy an der Rezeption abgeben. Beim Eintreffen von Ehepaar Bauer kam es zum ersten Eklat. Cordula Bauer und Melissa Mohnhaupt fanden, dass es im Hotel stinke. „Da ist der Name ja Programm“, rümpfte Mohnhaupt die Nase und behauptete somit, es läge an den Bauers.

Der nächste Streit war programmiert. Nachdem Norbert und Elsa-Katharina Schulz im Hotel angekommen waren, fiel Frau Dammbichler etwas auf: „Mir ist da wohl ein Fehler unterlaufen.“ Sie dachte, die zwei Schulzes seien ein Paar und buchte ihnen ein Doppelzimmer. Dabei tragen sie lediglich den gleichen Nachnamen. Jetzt musste eine Lösung her. „Wäre es möglich, dass Sie und Frau Bauer sich ein Zimmer teilen?“, fragte die Besitzern die schon mehr als genervte Frau Mohnhaupt. Das kam für die beiden zerstrittenen Frauen natürlich nicht in Frage. Schlussendlich landeten beide Schulzes dann doch in einem Zimmer.

Komplettes Desaster

Zwischen den Aromatherapien, die ein komplettes Desaster waren, lernten die Wellnessbesucher Svetlana kennen. Es stellte sich heraus, dass die Ausbildung der ziemlich unsanften Masseuse keine richtige war und ihr „Öl für Massage spezial“ höchstwahrscheinlich purer Wodka. Die Schulzes waren nach der robusten Knetkur samt Inhalation tatsächlich total entspannt. Die nächste Katastrophe bahnte sich recht schnell an. Vertreter Kristof Schaaf traf sich ausgerechnet im Hotel mit Herrn Bauer, der das Wochenende nicht dort verbrachte, sondern nur seine Frau zum Entspannen abgeliefert hatte. Herr Bauer bestellte sich beim Vertreter „eine Flores“. Er war ganz außer sich vor Freude: „Meine Frau, die darf davon bloß nichts mitbekommen“, bettelte er Herrn Schaaf an. Er solle sich keine Gedanken machen, versprach ihm der Vertreter.

Selbstverständlich hatte Frau Bauer alles mitbekommen und sich bei Frau Dammbichler ausgeheult. „Was? Menschenhandel? In meinem Hotel?“, war diese schockiert. Auch Frau Mohnhaupt hatte vom Treffen der Männer erfahren. „Dieser Vertreter, das war mein Ex-Freund“, schluchzte sie in ihr Taschentuch.

Dass es sich nicht um Frauen-Vermittlungen, sondern um Alpaca-Wolldecken handelte, kam erst ganz am Ende raus. „Ich war auf ein Kamel eifersüchtig!“, begriff Frau Bauer und die Zuschauer lachten Tränen. Glücklicherweise ging schlussendlich doch noch alles gut aus: Frau Mohnhaupt kam mit Herrn Schaaf wieder zusammen, die Bauers hatten sich versöhnt und aus den Schulzes wurde am Wochenende doch noch ein Paar. Nur Frau Dammbichler braucht jetzt eine volle Dröhnung Aromatherapie.„Es war einfach super“, waren sich drei Besucherinnen aus Mannheim einig. Monika und Ines Tuschner empfanden das Stück als „genau getroffen“: „Die Witze und Situationen hatten einen großen Wiedererkennungswert aus dem Alltag.“

Coach und Berater Thomas H. Schiffmacher, der seit 15 Jahren mit den Lellebollems zusammenarbeitet und den Stücken den letzten Schliff verpasst, war mehr als zufrieden und sichtlich stolz. „Dieses Mal hat es uns besonders hart getroffen, da eine wichtige Rolle zwei Wochen zuvor krankheitsbedingt absagen musste“, erklärte er dem „MM“. Die zwei Positionen, die dadurch ausgetauscht werden mussten, haben ihre Rolle perfekt gespielt. Bärbel Schätzle, die seit 2002 Regisseurin beim Verein ist, werde nun in Rente gehen und nicht mehr aktiv dabei sein. Das teilte Vorsitzende Petra Frank den Gästen mit und überreichte ihrer Kollegin einen Blumenstrauß.

„Wir waren alle furchtbar aufgeregt und fragten uns, wie wohl das Publikum reagieren wird“, verriet Schätzle. Ihr sei ein riesen Stein vom Herzen gefallen. „Das Publikum war einfach spitze!“, freute sich auch Marco Müller, der Norbert Schulz spielte.