Heddesheim

Heddesheim FDP-Gemeinderatskandidaten diskutieren mit Bürgern / Digitalisierung, Wohnraum und Verkehr beschäftigen Gäste

Ideen jenseits der Umgehungsstraße

Alles neu macht der Mai. Jedenfalls für die Gemeinderatsfraktion der Heddesheimer FDP. Wenn am 26. gewählt wird, stehen Frank Hasselbring und Ingrid Kemmet nicht mehr auf der Liste. Eine weitgehend neue Kandidaten-Riege will deren zwei Sitze verteidigen – und am liebsten noch einen dazu gewinnen. Dass Profil dabei nicht schaden kann, wissen sie. Jedenfalls hörten die gut 20 Gäste der Vorstellungsrunde im „Pflug“ von den anwesenden elf Bewerbern auch einige Ideen jenseits des bekannten kommunalpolitischen FDP-Portfolios. Und eine angeregte Diskussion.

Beispiel Verkehr. Während Hasselbring als langjähriger Gemeinderat und Moderator einmal mehr die Umgehungsstraße bewarb („Ohne sie gibt es keine Entlastung“), rückten die Kandidaten hauptsächlich andere Aspekte des Themas in den Fokus. Dass es etwa bei Fuß- und Radwegen noch Verbesserungspotenzial gibt, sah nicht nur Spitzenkandidat Simon Jarke so. Auch Maria Bauer oder Otto Schwabe fühlen sich als Radfahrer auf den engen Straßen nicht sicher. „Man bräuchte ein neues Konzept,“ meinte Walter Defren. „Einbahnstraßen probeweise testen“ fände auch Harald Glock gut – ebenso wie einen Radweg im geplanten Grünzug zwischen Unterdorf- und Schulstraße.

„Gute Infrastruktur erhalten“

Dass die Gemeinde ansonsten über eine gute und gepflegte Infrastruktur verfügt – da waren sich alle einig. „Heddesheim ist spitzenklasse“, meinte Michel Marquet: „Das zu erhalten ist die wichtigste Aufgabe des Gemeinderats.“ Doch ohne Moos nichts los – zumal, wenn man wie die FDP neue Schulden kategorisch ablehnt. Hasselbring plädierte daher abermals für Wachstum durch Neubaugebiete. Dass sich „ein normaler Arbeitnehmer keinen Hausbau leisten kann“, belegt für Jarke die Notwendigkeit, das Wohnraumangebot auszubauen. „Hier ist auch die Ortskernsanierung III ein wichtiger Baustein“, meinte er. „Es fehlt auch an bezahlbaren Pflegeplätzen“, sieht Glock ein weiteres Handlungsfeld beim Wohnangebot für die ältere Generation.

Für Tobias Köber (Platz 2) ist „neben gesundem Wachstum auch wichtig, dass das Gewerbe berücksichtigt wird“. Persönlich seien ihm kleinere Firmen lieber als „großflächige Industrie à la Logistikbetriebe“. Und natürlich müsse Glasfaser ins Gewerbegebiet.

Dass es beim schnellen Internet noch hakt, beschäftigte Kandidaten wie Gäste. Lösung? Nicht so direkt. „Die Gemeine muss Investoren finden“, erklärte Hasselbring – nach eigenem Bekunden kein Freund von der Option, dass die Kommune das Glasfasernetz selbst errichtet. Spitzenkandidat Jarke kann sich ein Modell einer öffentlich-privaten Partnerschaft vorstellen. Zumal der IT-Projektmanager die Digitalisierung der Verwaltung „mit ganzer Kraft“ voranbringen will.

„Jede Medaille hat zwei Seiten“, gab Anneliese Fath (Platz 3) zu bedenken: „Es ist wichtig, für alle Themen offen zu sein.“ Auch bei der Digitalisierung müsse der Mensch immer eingreifen können, mahnte ebenso Anton Weber, mit 75 Jahren ältester Kandidat. „Die wichtigste Infrastruktur sind die Menschen“, findet Lehrer Thomas Joachim und plädierte für mehr Unterstützung der Vereine und Ehrenamtlichen.