Heddesheim

Heddesheim Gemeinderatskandidaten „U40“ wollen mehr junge Wähler an die Urnen holen / Überparteiliche Gruppe spontan gebildet

„Ihr entscheidet mit“

Archivartikel

Wenige Wochen vor der Gemeinderatswahl hat sich in Heddesheim eine außergewöhnliche Koalition gebildet: Junge Kandidaten aller vier Parteien vor Ort haben sich zusammengetan, um für den Urnengang am 26. Mai zu werben. Selbst zwischen Mitte 20 und Ende 30 Jahre alt, wollen sie speziell die Erst- und Jungwähler motivieren, ihre Kreuzchen zu machen. Nicht bei einer bestimmten Person oder Liste, sondern überhaupt. „Geht wählen! Ihr entscheidet mit, wie sich die Gemeinde entwickeln soll“, lautet ihre Kernbotschaft.

Gemeinsam haben die zehn Kandidaten von CDU, SPD, Grünen und FDP dazu einen Aufruf formuliert, den sie über ihre Profile in den Sozialen Netzwerken teilen wollen. „Für uns zählt heute nicht die Parteizugehörigkeit, es geht um die Sache“, erklärt Christoph Schumacher beim Treffen in der Alten Schule. Der 34-jährige kandidiert selbst für die CDU, betont aber – wie alle anderen – ausdrücklich: „Es geht uns nicht um Wahlkampf. Wir wollen Heddesheim gestalten, dafür bedarf es der Wähler.“ Und die machen sich gerade bei Kommunalwahlen eher rar.

Wie das Statistische Landesamt Baden-Württemberg schreibt, gaben vor fünf Jahren weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten im Land ihre Stimme ab: Die Beteiligung an den Gemeinderatswahlen lag 2014 bei 49,1 Prozent und an den Kreistagswahlen bei 49,6 Prozent – die niedrigste Quote seit der Gemeindereform im Jahr 1975. Eine Statistik, wie sich die Beteiligung auf Altersgruppen verteilt, gibt es beim Landesamt nicht. Die Zahlen des Bundeswahlleiters bestätigen allerdings, dass jüngere Wähler noch häufiger als die älteren den Wahllokalen fernbleiben. So lag die Beteiligung an der letzten Bundestagswahl bei der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen bei 81 Prozent. Von den 21- bis 24-Jährigen gingen hingegen nur 67 Prozent zur Wahl.

„Es gibt zur Gemeinderatswahl 502 Erstwähler in Heddesheim“, sagt Michael Holler. Seit 2014 sitzt der 30-Jährige für die SPD am Ratstisch. „Eine Veranstaltung für Erstwähler haben wir aber nicht“, bedauert er. Dass derlei Angebote im Jugendhaus vor vergangenen Wahlen nicht gerade der Publikumsmagnet waren, weiß er aus eigenem Erleben. Information sei aber nicht nur wegen des etwas komplizierten Kommunalwahlsystems notwendig. Auch inhaltlich müssten gerade Erstwähler überzeugt werden, dass sich die Mitbestimmung lohnt. „Wir wollen junge Leute darauf aufmerksam machen, dass die Arbeit des Gemeinderats sie direkt etwas angeht“, verweist Holler etwa auf Themen wie Bildung oder auch das Freizeitangebot der Kommune.

Gemeinsamer Aufruf

Die Idee, sich überparteilich zu vernetzen, entstand erst vor wenigen Tagen. „Eine spontane Aktion“, wie Grünen-Kandidatin Sabrina Arns (37) erklärt. Schließlich kenne man sich größtenteils schon seit vielen Jahren, besuchte mehr oder weniger dieselben Schulen. Am vergangenen Sonntag habe man sich erstmals getroffen, berichtet Dominic Brenneisen (34). Entstanden ist dabei der Wahlaufruf, den die Kandidaten inzwischen schon fleißig über ihre Netzwerke teilen. Damit, so hoffen sie, können sie ihre Zielgruppe besonders gut erreichen. Gern hätten sie auch einen kleinen Werbefilm gedreht, aber dazu reichte die Zeit nicht mehr. Auch das Wetter machte dem geplanten Dreh einen Strich durch die Rechnung. So hat es beim jüngsten Treffen von neun der zehn Kandidaten nur für ein rasches Foto mit dem Selfie-Stick gereicht. Für die Gruppe auf jeden Fall auch schon mal ein guter Anfang. „Was zieht, sind die Gesichter, die Menschen“, ist sich Brenneisen sicher.