Heddesheim

Heddesheim Musiker David Schnitzler tourt mit Sea Moya durch Kanada und USA / Am 6. Dezember mit neuem Album zu Gast in Mannheims Alter Feuerwache

Im kalten Montreal warm aufgenommen

Archivartikel

Als wir David Schnitzler endlich wieder erreichen, schneit es bereits in Kanada. „Wir fahren seit drei Tagen durch die Weiten Ontarios und Manitobas und haben nur sehr wenig Handy-Empfang“, entschuldigt sich Schnitzler höflich. Der in Heddesheim aufgewachsene Musiktherapeut ist mit seiner Formation Sea Moya auf Tournee durch seine neue Wahlheimat. 2016 berichteten wir zuletzt über den internationalen Erfolg einer Maxisingle, die bei der Reise durch das Baltikum entstanden war. Inzwischen lebt der 28-Jährige mit dem Mannheimer Popakademie-Absolvent Elias Foerster in einer Musiker-Wohngemeinschaft in Montreal.

„Der Gedanke, mal an einem ganz anderen Ort zu leben, ist schon lange in uns gewachsen“, berichtet Schnitzler gut gelaunt. Die kanadische Stadt Montreal erschien ihnen aus mehreren Gründen als gutes Ziel: „Es gibt hier viele Bands und unabhängige Plattenlabels, die wir mögen, und außerdem hat die Stadt den Ruf eines lebenswerten und bezahlbaren Orts für Kunstschaffende.“ Dieser Eindruck bestätigte sich schnell, wie Schnitzler schildert: „Die Musikszene Montreals hat uns sehr herzlich und warm aufgenommen. An jedem Tag in der Woche gibt es Ausstellungen, Konzerte und Partys zu entdecken.“ Es klingt, als würde da jemand seinen Traum leben.

„Fühlen uns richtig zu Hause“

Nachdem der kanadischen Winter die jungen Musiker aus Deutschland mit minus 38 Grad anfangs kalt begrüßt hatte, tauchten Frühling und Sommer die Stadt in ein ganz anderes Licht: „Vieles findet in Parks und auf den Straßen statt“, erzählt Schnitzler und kommt zum Schluss: „Stadt und Leute gefallen uns ausgesprochen gut, und wir fühlen uns schon richtig zu Hause.“ So erzielte „Sea Moya“ bereits erste Erfolge: Das live mit Tilman Ruetz zum Trio erweiterte Duo hatte bereits gefeierte Auftritte bei Festivals wie dem „SXSW“ im US-amerikanischen Austin (Texas) oder der „Canadian Music Week“ in Toronto.

„Es ist Wahnsinn, wie sich der Zugang zum nordamerikanischen Markt positiv ändert, wenn man direkt geografisch vor Ort ist“, freut sich Schnitzler über den Erfolg. Und das Debütalbum von Sea Moya steht jetzt auch in den Startlöchern. Am Donnerstag, 11. Oktober, soll „Falmenta“ erscheinen. Um es live zu präsentieren, tourt Sea Moya durch Nordamerika und Europa. Denn das Songmaterial existiert im Prinzip schon, seit das reisefreudige Duo vor seinem Kanada-Abenteuer einen ganzen Winter und den darauffolgenden Frühling im gleichnamigen 140-Seelen-Dorf Falmenta am Lago Maggiore in den italienischen Alpen verbracht hat.

Es klingt fantastisch

Völlig losgelöst von Raum und Zeit machten die Multi-Instrumentalisten, Komponisten und Klangfrickler in der Abgeschiedenheit der Bergregion ganz neue Erfahrungen, indem sie monatelang weitgehend ohne Smartphone und Computer lebten. „Eine Herausforderung“, nennt Schnitzler das Experiment, bei dem der Kopf jedoch frei wurde für das musikalische „Falmenta“. Wie bereits auf der Maxi-Single „Baltic States“ von 2016, auf der Ostsee-Landschaften elektronisch vertont wurden, verarbeitet diese vielversprechende Indie-Rockformation erneut meisterlich Einflüsse aus Krautrock, Afro-Beats und elektronischer Musik. So viel sei bereits verraten: Es klingt fantastisch.