Heddesheim

Heddesheim Großes Interesse an Versteigerung trotz Gluthitze

Jede Minute wechselt ein Fundrad den Besitzer

Archivartikel

Trotz annähernd 40 Grad kamen mehr als 35 Interessierte in den Bauhof der Gemeinde Heddesheim, dort werden seit über 20 Jahren Fundräder versteigert. 15 Minuten vor der Auktion konnten die Räder begutachtet werden. Insgesamt 32 Stahlrösser, manchmal auch nur noch Teile, wurden im Laufe des Jahres auf der Heddesheimer Gemarkung gefunden.

„Manche Räder wurden gestohlen und irgendwo in der Gemarkung hingeworfen. Andere von ihren Besitzern einfach nur entsorgt“, erzählt Silke Schmidt, die Leiterin des Heddesheimer Ordnungsamtes. Damen- und Herrenräder, Mountainbikes, ein Kinderfahrrad und ein Roller stehen an diesem Tag zum Erwerb bereit. Die Räder wurden in den letzten sechs Monaten nicht von ihren Besitzern identifiziert und deshalb jetzt versteigert. „Es geht uns nicht ums Geldverdienen. Für manchen Bastler ist aber was Brauchbares dabei“, betont Silke Schmidt.

Lukas Bender kam mit seinem Vater. „Ich suche hier ein fahrbares Rad, um es bei einem Feuerwehreinsatz am Gerätehaus stehen lassen zu können“, erklärt der aktive Feuerwehrmann. Damit möchte er das Diebstahlrisiko minimieren. Der 18-jährige David sucht einen Ersatz für sein gestohlenes Rad. „Während des Tages steht es am Bundesbahnhof. Da reicht mir ein gebrauchtes Rad, das ich mir zusammenbasteln kann.“ Lukas hat Glück: Für 14 Euro ersteigert er ein Velo, das seinen Vorstellungen entspricht.

Ein Mannheimer hatte im „MM“ von der Versteigerung gelesen. Er nimmt am Ende zwei Räder mit nach Hause. „Die Fahrt nach Heddesheim hat sich gelohnt, das Schutzblech und die Beleuchtung repariere ich gerne“, erklärt der glückliche Besitzer. Pia Bivona suchte für ihre Tochter Talina ein Fahrrad, sie fährt damit täglich zum OEG-Bahnhof. „Dort werden immer Räder gestohlen. Hier habe ich zwei Kinderräder erstanden, die mein Mann wieder fahrtüchtig macht“, berichtet sie stolz – und die Tochter freut sich auf das neue Gefährt.

Die Preise, die Wolfgang Unverricht für die Räder aufruft, sind mehr als human. „Jetzt kommt eines der besseren Räder. Wer bietet mehr als 8 Euro?“, ruft der Bauhofleiter in die Runde. Beim Bieterduell wechselt das Rad für 31 Euro den Besitzer. Nach 26 Minuten sind 26 Räder weg. „Die restlichen fünf Räder werden verschrottet“, berichtet Paul Benz vom Bauhof, der Silke Schmidt und Wolfgang Unverricht unterstützte. Kristin Strein von der Rathausverwaltung schrieb fleißig Quittungen und zählt am Ende 250 Euro in der Kasse: „Früher gab es mehr Bastler, die sich Räder ersteigert und aus mehreren Modellen ein brauchbares Rad zusammengeschraubt haben. Die Zeiten sind vorbei.“ diko