Heddesheim

Heddesheim Theatersaison mit glänzender Vorstellung eröffnet

Jochen Busse und Kollegen begeistern im Bürgerhaus

"Des war wirklisch Klasse heit": Diesen Kommentar hörte Veranstalter Rainer Haas nach dem Schauspiel "Der Pantoffel-Panther" sehr oft. Haas hatte das Stück für die Eröffnung der neuen Theatersaison im Bürgerhaus tatsächlich mit dem sprichwörtlichen goldenen Händchen ausgewählt. Mit Jochen Busse an der Spitze präsentierte sich das Ensemble des Contra-Kreis-Theaters Bonn in Zusammenarbeit mit der Komödie im Bayerischen Hof in München in absoluter Hochform.

Vom ersten bis zum letzten gesprochenen Satz ernteten die Schauspieler Lacher, und die Zuschauer waren schon zur Pause voll des Lobes. Dass sie gleich am Ende ausdauernd und stehend applaudieren, kommt nur selten vor. Mit strahlenden, vom Lachen roten Gesichtern, schwärmten sie danach von dem gerade Gesehenen. Was in über zwei Stunden von den Darstellern auf die Bühne gebracht wurde, war tatsächlich hervorragend.

Das bekannteste Gesicht war Jochen Busse. Der 76-Jährige steht seit 50 Jahren als Schauspieler und Kabarettist auf der Bühne. Der gebürtige Sauerländer hat zahlreiche Fernsehpreise erhalten. In Heddesheim spielte er den Hasso Krause, dessen kleine Firma für Import und Vertrieb edler italienischer Lederpantoffel vor Jahren Pleite ging. Damit war seine Altersversicherung verloren und einige Träume ebenso. Er vergaloppierte sich mit unsicheren Geschäften, spielt seiner Ehefrau "Röschen" jedoch weiter die heile Welt vor, die es längst nicht mehr gibt.

"Röschen", gespielt von Billie Zöckler, ahnt also nichts von der realen Situation und glaubt immer noch an den erfolgreichen, wohlhabenden Ehemann. Die Gattin träumt von einer Kreuzfahrt und edlen Kleidern - derweil sich ihr Hasso bei einem Hähnchengrill (im passenden Outfit) einige kleine Brötchen verdient. Sein gutmütiger, aber neurotischer Freund Rüdiger (Andreas Windhuis) hilft ihm mit Geld aus manch prekärer Situation. "Gibt es Arbeitsplätze für alte, gescheiterte Leute?", fragte Hasso seinen Freund. Rüdigers negative Antwort: "Das Europaparlament ist restlos besetzt."

Hassos Horoskop steht im Zeichen des Pleitegeiers, wie aber bringt er es Röschen bei? Zur Verwirrung tragen Milan (Raphael Grosch) als "Stoffhändler" und Babsi (Mia Geese) als Kollegin von Hasso bei. "In Heddesheim soll ein Maffia-Killer das Mammut erlegen", verrät Luigi (Marko Pustiek), ein waschechter Italiener, der sich allerdings in der Tür geirrt hat. Sein Angebot an Hasso, in kurzer Zeit eine Million Euro zu verdienen, ist freilich verlockend. Der Mafioso droht aber Hasso: "Die Mafia schneidet ihren Feinden die Geschlechtsteile ab." Darauf Hasso: "Noch besser als Dinge, die man zum täglichen Leben braucht."

Lacher am laufenden Band

Die schauspielerische Klasse von Busse zeigt sich in den Dialogen mit dem Publikum. "Ich bin 76 Jahre und habe meinen Text gelernt, sie brauchen mir den nicht vorplappern", rief er ins Publikum, hatte aber selbst die Vorlage zum Vorsagen gegeben. Auch brachte Busse das Publikum dazu, einen Schlager lauthals mitzusingen. Es sprudelten viele Sprüche, die mit lautem Lachen quittiert wurden. Etwa: In den 60er Jahren war die Plakette von Christophorus der heutige Airbag. Oder: Die schlimmste Droge in der Kurpfalz heißt Eichbaum alkoholfrei. Busse weiß aber auch, die Kurpfälzer können Wein trinken, wenn sie keinen Durst haben. Neben Heddesheim fanden auch die Nachbarorte Dossenheim, Weinheim und Ladenburg Erwähnung. Die turbulenten Szenen nahmen im Lauf des Abends zu, über die Unterhosen mit den Schlümpfen und Pinocchio konnte herzhaft gebrüllt werden.

Hassos Schlusssatz zu seinem Röschen war hingegen romantisch: "Wir kennen bittere Armut, aber wir haben ja uns." Bei einem Glas Wein - die Schauspieler hatten wirklich Durst - endete nach dem erfolgreichen Auftritt auch für das Ensemble ein Abend, an dem alle Gästen im Bürgerhaus Spaß hatten.