Heddesheim

Heddesheim Gäste im Kirchturm ziehen nach und nach aus

Junge Wanderfalken suchen sich jetzt ihr eigenes Revier

Archivartikel

Etwas undankbar erscheint er schon, der gefiederte Nachwuchs: Kaum groß genug, geht er flugs seiner Wege – und hinterlässt statt Dankbarkeit für das gewährte Obdach nichts als Dreck. Erstmals hatte sich in diesem Frühjahr eine Wanderfalken-Familie am Turm der Evangelischen Kirche in Heddeshem niedergelassen – zur großen Freude der örtlichen Vogelfreunde, deren Jugendgruppe die Nisthilfe vor acht Jahren dort angebracht hatten, wie Kurt Klemm berichtet. In den vergangenen Jahren belegten Turmfalken die Brutstätte in luftiger Höhe, der seltenere Wanderfalke machte sich hingegen rar – bis zu diesem Februar.

Unschöne Hinterlassenschaften

Inzwischen sind die vier Jungvögel, die am Heddesheimer Kirchturm geschlüpft sind, schon so groß, dass sie selbstständig werden. „Sie haben zum größten Teil gelernt, selbst zu jagen und müssen sich ihr eigenes Revier suchen“, erklärt Vogelfreund Klemm. Die negativen Begleiterscheinungen des tierischen Familienglücks will er freilich nicht wegdiskutieren: „Die Vögel koten die Mauer voll, das zu sehen tut schon weh“, räumt er ein. Damit mögliche künftige Bewohner weniger Schäden anrichten, wolle man den Kasten – wenn die Kirchengemeinde einverstanden ist – im Spätjahr so umsetzen, dass der Dreck nicht mehr am Sandstein klebenbleibt, sondern aufs Dach fällt, wo der Regen den Kot wegspülen kann. Die unschönen Hinterlassenschaften der aktuellen „Untermieter“ wolle man dann ebenfalls bestmöglich abwaschen, kündigt Klemm an.

Unterm Strich ist der Vogelfreund begeistert, dass die Bemühungen des Vereins in Sachen Vogelschutz in diesem Jahr von so großem Erfolg gekrönt worden sind – nicht nur, was den Wanderfalken betrifft. Rund um den Vogelpark fühlen sich 17 Storchenpaare heimisch, zudem seien alle Kästen für Turmfalken belegt. „Besser kann es nicht laufen“, meint Klemm: „Das spornt uns natürlich an.“ Er und seine Vereinskollegen hoffen daher, noch einen weiteren, möglichst hoch gelegenen Platz für ein potenzielles Wanderfalken-Zuhause zu finden, damit das Gastspiel von diesem Frühjahr kein Einzelfall bleibt. agö