Heddesheim

Heddesheim Lellebollem-Verein mit unterhaltsamem Vorverkauf

Karten für Mundart-Theater sind begehrt

„Der Walter ist um drei Uhr nachmittags losgegangen, um zwei Karten zu kaufen“, erzählt Elisabeth Springer. Ihre Erzählung könnte selbst schon ein Theaterstück sein, dabei sollte Ehemann Walter nur zwei Karten für die beiden besorgen. Aber drei Stunden später war er immer noch nicht da. Irgendwann wurde es ihr zu viel, „ich bin ich ihn suchen gegangen.“ Und es dauerte nicht lange, da hatte sie ihren Walter wieder gefunden: „Der arme Kerl stand drei Stunden in der Schlange und hatte immer noch keine Karten.“

Das ist „gefühlt“ schon ein paar Jahrzehnte her, heute verläuft der Kartenvorverkauf für die Springers etwas harmonischer. Der Grund: Mittlerweile bewirtet der Lellebollem-Theaterverein, der das Mundart-Laientheater in Heddesheim betreibt, den Vorverkauf und organisiert ihn besser. Zum Vorverkaufsstart am Freitagmittag werden um 14 Uhr Nummern ausgegeben, in der Reihenfolge können dann ab 16 Uhr die Karten abgeholt werden. Und dazwischen gibt es Kaffee, Kuchen und viel Geselligkeit.

„Früher haben wir uns für Karten angestellt, heute für die Nummern. Es hat sich gelohnt“, sagt Walter Springer,„wir haben es mal geschafft, die Nummer Eins zu haben. Im vergangenen Jahr hatten wir die Nummer Zwei.“ Für das Paar ist der Vorverkauf eine Tradition, die zum Theater absolut dazugehört. Nun sitzen die Beiden in der Scheuer, mit ihrer Nummer Eins, mit Kaffee und Kuchen, und mit Brigitte Hildebrandt. Sie hat die Nummer zwei, und bei ihr lohnt sich das Warten noch mehr: „Letztes Jahr hatten wir 16 Karten, dieses Jahr hole ich 26 Karten ab.“ Die Tickets sind für den Vereinsausflug des Automobilvereines ACV in Mannheim, „ich wohne hier in Heddesheim, also muss ich die Karten holen.“ Ihr Mann hat die Nummer besorgt, sie holt dann später die Karten ab.

Die Hildebrandts und Springers sind ideal vorbereitet, sie haben dicke Regenjacken angezogen und Schirme dabei. Es ist kalt und nass an diesem Freitagmittag, und die drei sind weitgehend die Einzigen, die sich für Karten anstellen. „Bei dem Wetter war klar, dass keiner kommt“, sagt Petra Frank, Vorsitzende des Lellebollem-Theatervereines. Normalerweise hat der Verein Tische und Bänke im Hof aufgestellt, es ist sonst eine gesellige Runde, aber bei dem schlechten Wetter holen die Leute ihre Nummer ab und gehen wieder. „Dieses Jahr haben wir klein Glück“, so Frank. Sie sitzt frierend mit ein paar anderen Mitspielern in der Heimatscheuer, ein kleiner Heizlüfter riecht mehr nach heißem Draht als dass er wärmen würde.

Termine am Wochenende

Dennoch, den Spaß lassen sich Theaterleute nicht nehmen. „Das Stück ist saugeil“, weiß Yvonne Zimmermann zu berichten, die Vorstellung werden ausverkauft sein, so wie jedes Jahr, da ist sie sich sicher. Bei 13 Grad reibt sie sich die Oberschenkel, der Kaffee wärmt schon lange nicht mehr. Zimmermann weiß schon, was es nächstes Jahr gibt: „Glühwein und Spekulatius.“

Gegen vier Uhr kommen die ersten aus ihren warmen Wohnzimmern zurück, die schon um zwei Uhr eine Nummer abgeholt haben. „Wir fangen jetzt einfach an“, so Zimmermann, „auch wenn es noch nicht ganz vier Uhr ist.“

Insgesamt gibt es vier Theater-Vorstellungen – immer abends von Freitag, 1., bis Montag, 4. November. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, die Türen zum Saal öffnen eine Stunde vorher. Weitere Vorverkaufs-Termine sind immer freitags von 17 bis 19 und samstags von 10 bis 12 Uhr. Verkauft werden die Karten in der Heimatscheuer in der Beindstraße.