Heddesheim

Heddesheim Kunstverein zeigt im Alten Rathaus Zeichnungen und Skizzen von Hans-Gerhard Wind / Bis 9. Juni immer sonntags geöffnet

Konzentrierte Arbeit ist für ihn Entspannung

Archivartikel

Wenn der Heddesheimer Kunstverein zu einer Ausstellung einlädt, dürfen die Besucher durchaus etwas Besonderes erwarten. So wurden die zahlreichen Gäste auch bei der jüngsten Vernissage nicht enttäuscht. In seinen Räumen im Alten Rathaus zeigt der Kunstverein Zeichnungen und Skizzen von Hans-Gerhard Wind.

Vorsitzender Bernd Gerstner begrüßte die Gäste mit den Worten: „Kunst kommt von Können“ – und sandte damit schon einmal ein großes Kompliment in Richtung von Hans-Gerhard Wind. Bevor Kunsthistoriker Karl Heinz Treiber sowohl die Person des Künstlers Wind als auch dessen Werke näher erläuterte, gab Bernhard Theis einige seiner zur Vernissage passenden Texte zum Besten. „Leben ist Werden, Leben ist Wachsen, wenn du nicht aufpasst, brichst’ dir die Haxen.“ Mit diesen Worten brachte Theis das Publikum zum Schmunzeln. Zumal die Zeilen zu den Skizzen und deren positiver Grundstimmung passten.

Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellung von Tobias Escher. Das Publikum war besonders begeistert, als er mit seiner rauchigen Stimme das Lied „Table Top Joe“ von Tom Waits sang und sich dabei selbst auf dem Akkordeon begleitete.

Hans-Gerhard Wind war 37 Jahre lang der bühnentechnische Leiter des Mannheimer Nationaltheaters. Es war ein aufregender und anspruchsvoller Job, der in kein Acht-Stunden Schema passte, ließ er wissen. Zur Entspannung begann er, zu skizzieren. Entspannung? Es klingt nach einem Widerspruch in sich, denn die Zeichnungen erfordern höchste Konzentration. Jeder Strich muss sitzen, da Wind vollständig auf Radieren und Wischen verzichtet. Er verwendet hauptsächlich Bleistifte und glattes Papier, damit nicht die Blattoberfläche die Struktur bestimmt, sondern er selbst.

Ein Teil seiner Werke stammt aus seiner Zeit am Nationaltheater. Während der unbedarfte Besucher auf einem Bild lediglich Seile sieht, handelt es sich tatsächlich um den „Schnürboden“ oberhalb der Bühne. Den Großteil seiner Motive hat Wind aber mehr oder weniger direkt vor der Haustür gefunden: eine Hinterhof-Idylle, eine Scheune oder ein Licht- und Schattenspiel im Wald.

„Sehe die Dinge intensiver“

„Es sind oft Kompositionen, bestehend aus einem Stück Baumrinde und ein paar Stämmen, die sich zeichnerisch zusammensetzen lassen. Ich sehe Dinge mittlerweile intensiver, und oft sind die Schattierungen spannender als das Objekt selbst“, erklärte der Künstler.

Die Besucher waren vor allem von der Perfektion begeistert. „Es ist unglaublich, dass man nur mit Bleistiften so etwas schaffen kann“, sagte ein Gast. Neben den Zeichnungen stellte der Kunstverein auch zahlreiche Fotografien aus, die Wind auf seinen Wanderungen im Odenwald erstellt hat. „Man muss nicht um die halbe Welt reisen“, sagte der Künstler: „Zahlreiche Motive sind in unmittelbarer Nähe zu finden. Man kann jeden Tag den gleichen Weg gehen und je nach Tages- oder Jahreszeit sieht die Landschaft komplett anders aus“, erläuterte der Künstler.

Die Ausstellung im Alten Rathaus ist bis einschließlich 9. Juni immer sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet.