Heddesheim

Heddesheim Theater im Bürgerhaus startet vor ausverkauftem Haus in die neue Saison / Lilo Wanders in Hauptrolle

Mal Frau, mal Mann im Narren-Käfig

„Mit dem Käfig voller Narren sind nicht Sie, das Publikum gemeint“, begrüßte Bürgermeister Michael Kessler die Gäste zur ersten Vorstellung der neuen Theatersaison im Bürgerhaus. Mit „Ein Käfig voller Narren“ ist das Theater am Altstadtmarkt in Braunschweig derzeit auf Tour – eine Station war nun Heddesheim.

Das Stück von Jean Poiret wurde 1973 in Paris uraufgeführt und lief dort fünf Jahre. 1700 Mal wurde es in New York gespielt und feierte auch als Film und Musical große Erfolge. Die Inszenierung für das Tourneetheater stammt von Florian Battermann. Mit neun Personen treten außergewöhnlich viele Schauspieler auf. Die Hauptrolle „Zaza“ wird von Lilo Wanders gespielt. Hinter der Kunstfigur Wanders steckt der Schauspieler Ernst-Johann Reinhardt. „Ernie“, wie man Deutschlands bekanntesten Travestiekünstler auch nennt, wuchs in Dorfmark bei Soltau auf. Seit Ende der 1980er tritt der 1955 geborene Künstler als Lilo auf. 1988 eröffnete er mit seinem Kollegen Corny Littmann „Schmidts Theater“ auf der Hamburger Reeperbahn, sie leiten das Theater noch heute. Durch zahlreiche Filme, TV-Sendungen und Bücher wurde Lilo Wanders bundesweit bekannt. Als Sex-Expertin sorgte sie für Quoten mit Zoten bei einem Privatsender. Auf der Theaterbühne mit einem so großen Ensemble ist man sie nicht gewohnt. Und doch stand diese vielseitige Künstlerin auch in der Rolle als Albin im Mittelpunkt des turbulenten Stückes. Mal als Frau, mal als Mann zeigte sie ihr Können.

Ihr Lebenspartner Georges, Besitzer eines Nachtclubs, war der Gegenpart, souverän gespielt von Gregor Eckert. Köstlich der Koch und Schönling als „Mädchen für Alles“, Gurmit Bhogal. Michael Jäger gab den Sohn Lorant, dessen Heiratswunsch mit Muriel (Hannah Baus) zu großer Aufregung führte. Isabella Nagy und Hannes Ducke als Eheleute Dieulafoi verkörperten das erzkonservative Politikerpaar. Als fotografierender Journalist roch Andreas Werth die große Story, und Astrid Straßburger machte als Simone die Verwicklungen in der Komödie perfekt. Der Besuch der Brauteltern brachte einiges Durcheinander, musste doch ein überdimensionaler Phallus zur Madonna verwandelt und Homosexuelle auf mannhaft gedrillt werden („Schmiere dein Toastbrot wie ein Kanalarbeiter!“). Das Publikum ist begeistert, lacht über die ständigen Verwechslungen, das Verwirrspiel und die köstliche Mimik der Schauspieler.