Heddesheim

Heddesheim FDP-Kandidaten zur Gemeinderatswahl erläutern ihre Ziele / Digitalisierung beschleunigen und Bürger häufiger einbeziehen

„Man kann von Ideen Anderer lernen“

„Der anstehende Wechsel wird dem Gemeinderat guttun“, sagt Simon Jarke, Spitzenkandidat der Heddesheimer FDP zur Gemeinderatswahl. Da etliche langjährige Räte nicht mehr antreten, werde es viele neue Gesichter geben. Zu diesen wollen neben ihm auch Tobias Köber (Platz 2) und Thomas Blaue (Platz 4) von der FDP-Liste gehören. Was sie erreichen möchten, erklären sie im „MM“-Gespräch.

Digitalisierung: Eine noch bürgerfreundlichere und zugleich effizientere Verwaltung steht für Jarke beim Thema Digitalisierung ganz oben auf der Agenda: „Eine PDF-Datei ausdrucken, unterschreiben und aufs Rathaus zu tragen, ist nicht zukunftsorientiert.“ Auch die Verwaltung profitiere, wenn sie Formulare nicht mehr abtippen müsse. Deshalb gelte es, die Digitalisierungsstrategie beschleunigt umzusetzen. Weitere Chancen könnten sich daraus auch für Gewerbebetriebe ergeben. Köber führt als relativ leicht umzusetzendes Beispiel ein überarbeitetes elektronisches Branchenverzeichnis an, das Firmen nicht nur alphabetisch auflistet. „Das geht ansprechender und auch inhaltlicher“, ist er sich sicher.

Klimawandel: Schneller vorankommen wollen die FDP-Kandidaten auch beim Klimakonzept der Gemeinde. „In den nächsten zehn Jahren ein Viertel CO2 gegenüber 2010 einsparen, ist nicht ambitioniert genug“, wünscht sich Jarke ehrgeizigere Ziele für den gesamten Ort. Dafür gelte es, „eine breite Diskussion“ mit allen Beteiligten aufzulegen. Schließlich verantworte die Kommune mit ihren Liegenschaften selbst nur etwa zwei Prozent der Treibhausgasemissionen in Heddesheim. Der Rest entfällt auf private Haushalte, Verkehr und Gewerbebetriebe.

Meinungsvielfalt: Beispiele, wie die Ideen Vieler zu guten Ergebnissen führen können, sieht Köber in den Bürgerbeteiligungen zum Leitbild und zur Digitalisierungsstrategie. „Das muss man natürlich nicht bei jedem Thema machen“, räumt er ein: „Aber öfter bei Maßnahmen, die alle Bürger betreffen.“ Konkret könnte dies etwa die Priorisierung der Digitalisierung sein – also die Frage, was die Kommune als Erstes angehen sollte. Denkbar sei dies aber auch bei der Gestaltung der Freizeitangebote. „Vielleicht könnte man ein Gremium schaffen, dass regelmäßig, zum Beispiel zwei mal jährlich, zu kommunalen Themen tagt“, schlägt er vor. Die Idee eines „Bürgerhaushalts“, in den die Einwohner wie in Edingen-Neckarhausen Vorschläge einbringen können, finden die drei Kandidaten reizvoll: „Man kann von den Ideen Anderer lernen und sieht Themen, die sonst vielleicht nicht so im Fokus stehen.“ Entsprechend denken die drei auch über einen ortspolitischen Stammtisch oder regelmäßige Sprechstunden für Bürger nach. „Die Hemmschwelle für den Austausch muss dabei niedrig sein“, betont Jarke: „Auch das kann über die Digitalisierung vorangebracht werden.“ Generell findet Blaue, dass es im Gemeinderat Nachholbedarf gibt, was die Meinungsvielfalt betrifft: „Ich vermisse die Diskussion.“

Verkehr: „Die Umgehungsstraße kommt oder sie kommt nicht“, verweist Blaue auf die Tatsache, dass der Gemeinderat hier keine Einflussmöglichkeiten hat. Stattdessen sollte sich das Gremium solchen Themen zuwenden, die noch eigene Gestaltungsmöglichkeiten bergen und den Bürgern ebenfalls auf den Nägeln brennen. „Die Ampelschaltung an der Rathauskreuzung ist eine Farce“, sagt er zum Beispiel: „Da kommt kein Fußgänger bei Grün über die Straße.“ Zur innerörtlichen Verkehrsentlastung bringt Jarke so genannte Bürgerbusse ins Spiel, die als Verein mit ehrenamtlichen Fahrern in der Nische zwischen ÖPNV und Individualverkehr agieren, wie er erklärt: „Sie könnten zum Beispiel Senioren zum Einkaufen oder Kinder zum Sporttraining bringen.“ Darüber hinaus müsse weiter mit kleineren Maßnahmen versucht werden, eine Verkehrsberuhigung zu erreichen.