Heddesheim

Heddesheim „MM“-Serie anlässlich „100 Jahre Volkshochschulen“ / Einrichtung vor Ort ging 1966 an den Start

Mit einem Vortrag fing alles an

Am Donnerstag, 27. Oktober 1966, 20 Uhr, schlug mit dem ersten Vortrag die Geburtsstunde der Volkshochschule (VHS) Heddesheim. „Herr Hauptlehrer O. Jost aus Gras-Ellenbach wird uns anhand vieler herrlicher Farbdias in einem Vortrag ,Quer durch den Odenwald’ die Schönheiten unserer Heimat erleben lassen“, warben Bürgermeister Fritz Kessler und Schulrektor Michael Brunner wenige Tage zuvor im Mitteilungsblatt der Gemeinde. Die damals noch Volksbildungswerk genannte Einrichtung war zu diesem Zeitpunkt gerade frisch aus der Taufe gehoben worden und Brunner ihr erster ehrenamtlicher Leiter.

Der inzwischen sechste Amtsinhaber ist seit 2016 Friedrich Graser. Für den „MM“ hat er in alten Dokumenten des Gemeindearchivs gestöbert. Dabei zeigt sich, dass ein Bericht dieser Zeitung an der Entstehung der örtlichen Volkshochschule nicht ganz „unschuldig“ war. Redakteur Hans Steuerwald schrieb im Januar 1966, dass Gemeinderat Hans Höfle in einer Ratssitzung „ein brennendes Anliegen“ hatte: „Er erinnerte daran, daß in allen Nachbargemeinden Volksbildungswerke bestehen und bat darum, auch den Heddesheimern diese Einrichtung zugänglich zu machen.“

Diese „MM“-Zeilen las Alfred Delling, der Leiter des Volksbildungswerks für den Landkreis Mannheim. Er schrieb daraufhin an Bürgermeister Fritz Kessler und bot an, Heddesheim könne eine Ortsgruppe gründen.

Es war nicht Dellings erster Anlauf, wie aus dem Schreiben hervorgeht. Offenbar war das Vorhaben zuvor daran gescheitert, vor Ort einen ehrenamtlichen Leiter zu finden. Diesmal klappte es. Im Oktober 1966 berichtete Höfle im Gemeinderat aus der konstituierenden Sitzung des Volksbildungswerks Heddesheim. Das damalige Ziel: Monatlich solle eine Veranstaltung in Heddesheim abgehalten werden. Heute ist daraus ein Angebot von rund 250 Kursen, Exkursionen, Vorträgen oder kulturellen Ereignissen pro Jahr geworden, wie Friedrich Graser zusammenrechnet.

Der (Um-)Weg in die Eigenständigkeit führte die VHS Heddesheim dabei zunächst von der Mannheimer Außenstelle in den Verbund der Volkshochschule Lobdengau. Unter deren Dach vereinbarten 1981 sieben Kommunen ihre Zusammenarbeit in der Erwachsenenbildung. Sie folgten damit einer Empfehlung des noch jungen Rhein-Neckar-Kreises. Das Bündnis hielt indes nur acht Jahre. „Es gab viel Unzufriedenheit“, erinnert sich Ursula Brechtel, die 1983 die ehrenamtliche VHS-Leitung in Heddesheim übernahm und 28 Jahre behielt.

Erstes Programmheft 1987

Etwa ein Dutzend Näh- und Sprachkurse umfasste in Brechtels Anfangszeit das Angebot vor Ort. Doch die neue Chefin baute es beständig aus. 1987, als der Zusammenschluss in der VHS Lobdengau schon auseinanderdriftete, legte die Heddesheimer VHS-Leiterin erstmals ein eigenes Programmheft auf. Es enthielt bereits rund 50 Kurse, darunter zahlreiche kreative Angebote und solche für Kinder.

„In den ersten sechs Jahren habe ich das alles von zu Hause aus organisiert“, erzählt Brechtel schmunzelnd: „Für eine Aufwandsentschädigung von 100 Mark im Monat.“ Die liegt heute zwar höher, ein Ehrenamt ist die Leitung in Heddesheim aber geblieben. Einzige „Hauptamtliche“ ist Teilzeitkraft Annelie Kreis – im nächsten Jahr seit 25 Jahren.

Einen Meilenstein in der Geschichte der VHS markierte der Bau des Bürgerhauses, das im Sommer 1989 seiner Bestimmung übergeben wurde. Im ersten Stock gibt es seither die Geschäftsstelle, in der Annelie Kreis und Friedrich Graser während der Öffnungszeiten ein offenes Ohr für Fragen und Anregungen haben. Und in der sie außerdem mit spitzem Bleistift rechnen, um den Bürgern ein möglichst breites Angebot mit den verfügbaren Mitteln zu machen. Diese speisen sich aus der Förderung durch das Land und den Beiträgen der Teilnehmer. „Die Gemeinde stellt die ganze Infrastruktur“, ergänzt Graser, der immer auf der Suche nach weiteren geeigneten Räumen ist, um neue Kurse anbieten und die Einrichtung weiterentwickeln zu können. Anstrengungen, die sich aus Brechtels Erfahrung aber lohnen: „Die Bürger haben ein großes Interesse an der VHS.“