Heddesheim

Heddesheim Trotz tropischer Temperaturen sind die Sitzplätze in der Museumsscheune begehrt

„Offene Scheier“: Blickt in Vergangenheit

Archivartikel

„Damit haben wir nicht gerechnet“ stellte Edith Sollich fest, als sie in die Scheier und den Hof der Museumscheune blickte. In der Tat, den Bürgern die Möglichkeit zu geben, in die Vergangenheit zu blicken, wurde dankbar genutzt – und dies trotz tropischer Temperaturen. Für die IG Heimatgeschichte war es ein Erfolg.

„Nimm diese Heugabel mal in die Hand – wie leicht die ist“, sagte Gemeinderat Josef Doll zu Ehefrau Erika, die ihrem Gatten zustimmte. Nicht alle Werkzeuge der früheren Zeiten waren schwerer oder komplizierter zu handhaben. Dies war eine der Erkenntnisse, die die Ausstellung mit teilweise neuen Exponaten lieferte.

Kleines Unterhaltungsprogramm

Landwirt Fritz Kemmet erklärte einer Gruppe von Besuchern, wie eine mechanische Getreidereinigungsmaschine einst funktionierte. Was wurde mit dem Krauthobel gemacht, wie wurde eine Kartoffelpressmaschine genutzt, darauf wusste der 78-jährige Kemmet die Antworten. „Das ist sehr interessant gemacht und war sicher mit viel Aufwand verbunden“, sagte Alfons Kuck, der es sich mit 89 Jahren nicht nehmen ließ, sich zu informieren.

Doch auch für die Unterhaltung war gesorgt. Mit flotten Weisen zum Mitsingen wurde Rolf Bleicher aus Wallstadt engagiert. Die Heddesheimer Line-Dance-Tanzgruppe „New Forest Bumblebees“ schwangen die Hüften und die Beine zu heißen Rhythmen und ebenso heißen Temperaturen. Korbmacher Freddy Bopp aus Reichartshausen zeigte seine handwerkliche Kunst. Er verarbeitet Weide und Peddingrohr und fertigt Blumenkörbchen, Kamin- und Einkaufskörbe in den verschiedensten Variationen.

Im Hofeingang stand unübersehbar der Verkaufsstand vom Nudelparadies mit einem vielfältigen Angebot. Regina Beck aus Hirschberg bot die Erzeugnisse ihrer Gartenvielfalt an. Aus eigener Ernte gab es Fruchtessig, Mispel-Cointreau-Brotaufstrich sowie verschiedene Grillsaucen für die heimische Küche. Hinter der Scheune erklärte Steffi Fleck, was der liebevoll gepflegte Heil- und Kräutergarten so alles hergibt. „Es ist zwar schon einiges verblüht, aber es riecht immer noch sehr angenehm“, so Fleck. Heute geht die Frau bei Beschwerde während der Periode oder den Wechseljahren zum Frauenarzt, damals wurde mit der Einnahme von „Frauenmantel“ geholfen. „Die orangefarbene Blüte der Ringelblume gilt als hilfreiches Wundheilmittel“, informierte Steffi Fleck. „Kräuterkinder“ durften die Besucher mit nach Hause nehmen, es waren Ableger der Kräuter, die im Garten gezogen werden.

In einem separaten Raum in der Scheune wurden Werkzeuge, mit denen vor zig Jahren wertvolle Arbeit geleistet wurde, gezeigt. Hubert Kolkhorst informierte, mit welchen Geräten Schreiner und Schuster arbeiteten. Kaffee und Kuchen geht immer, auch an einem heißen Tag wurden die Köstlichkeiten gerne verzehrt. Die Gäste belohnten die Macher der IG Heimatgeschichte mit ihrem Besuch für die Fleißarbeiten, die in und um die „Scheier“ geleistet wurden.