Heddesheim

Heddesheim Turngemeinde wächst und sucht Übungsleiter / Vorsitzender Wolf-Günter Janko setzt auf die Zusammenarbeit von Vereinen in der Interessengemeinschaft Sport (IGSH)

„Offenheit für Kooperationen ist da“

Die Turngemeinde (TG) ist mit rund 1300 Mitgliedern der größte Verein in Heddesheim – und auf Wachstumskurs. Neue Übungsleiter zu gewinnen, ist damit zugleich eine der größten Herausforderungen, wie Vorsitzender Wolf-Günter Janko im „MM“-Interview erklärt.

Herr Janko, in der jüngsten Hauptversammlung haben sie berichtet, dass die TG in 2018 um rund neun Prozent gewachsen ist. Worauf führen Sie das zurück?

Wolf-Günter Janko: Einen starken Zuwachs haben wir bei den Kindern. Das ist zum großen Teil dem Neubaugebiet geschuldet. Aber wir spüren auch eine starke Nachfrage im Rehabilitationssport. Dafür braucht man zertifizierte Übungsleiter, die wir als einziger Verein im näheren Umkreis auch haben.

Was genau fällt darunter?

Janko: Zum Beispiel Wirbelsäulengymnastik, aber auch Wassergymnastik, die wir neu anbieten. Dafür haben wir eine Gruppe mit dem Arbeiter-Turnerbund (ATB) zusammengelegt. So können wir Kapazitäten gemeinsam nutzen: bei den Übungsleitern wie bei den begrenzten Hallenbadzeiten.

Mit dem ATB kooperiert die TG auch in der Damengymnastik...

Janko: Genau. Auch hier waren die Hallenkapazitäten nach dem Wegfall der Schulturnhalle im vergangenen Jahr der Auslöser.

Viele Jahre taten sich die Vereine eher schwer mit Kooperationen. Hat sich das verändert?

Janko: Die Offenheit für Kooperationen ist jedenfalls da. Die Zusammenarbeit in der IGSH, der Interessengemeinschaft Sport Heddesheim, trägt dazu sicher bei. Größtenteils stehen wir Vereine ja auch nicht im Wettbewerb, weil wir unterschiedliche Sparten anbieten. Und im Handball, wo TG und ATB früher um Mitglieder konkurriert haben, hat sich die funktionierende Spielgemeinschaft auch etabliert.

Lässt sich das Thema Zusammenarbeit noch ausbauen?

Janko: Wenn es allen etwas bringt, Dinge zusammen zu machen, sollte man das auch tun – ob bilateral oder über die IGSH. Allein unter dem Aspekt eines wirtschaftlichen Vereinsmanagements läuft es in der Zukunft darauf hinaus. So lassen sich übergreifende Themen, etwa in der Verwaltung, besser meistern. Beispiel war vergangenes Jahr das Thema Datenschutzgrundverordnung: Die Basis wurde über die IGSH erarbeitet und allen angeschlossenen Vereinen zur Verfügung gestellt.

Zurück zur TG. Wenn der Verein vor allem bei den Kindern und im Reha-Sport wächst, wie sieht es generell mit der Altersverteilung aus?

Janko: Von unseren 1300 Mitgliedern sind etwa 500 Kinder und Jugendliche. Bei den Erwachsenen ist es im mittleren Altersbereich in der Tat etwas dünner. In der Berufsphase sind die Menschen eben anders eingebunden. Das macht sich auch im Ehrenamt bemerkbar.

Zum Beispiel daran, dass im TG-Vorstand Posten unbesetzt sind?

Janko: Auch. Aber keinen Stellvertreter zu haben, macht mich nicht nervös. Wichtiger wäre, alle Ressorts – also auch Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit – besetzen zu können. Derzeit verteilen wir die Aufgaben auf drei Personen. Vier wären mir lieber. Erfreulich ist dafür, dass alle Abteilungsleiterstellen besetzt sind.

Und wie sieht es bei den Übungsleitern aus?

Janko: Neue zu gewinnen, ist in der Tat eine zentrale Herausforderung für dieses und die kommenden Jahre. Konkret haben wir zwei Stellen ausgeschrieben, aber perspektivisch haben wir kontinuierlich Bedarf. Es hören ja auch immer wieder Trainer aus Alters- oder anderen Gründen auf. Ich setzte aber auch hier auf die Zusammenarbeit mit und in der IGSH. Die neue Mitarbeiterin, Anne Sentpali, übernimmt in der TG bereits verschiedene Angebote, das ist also schon gut angelaufen.

Was steht dieses Jahr vereinsintern außerdem noch an?

Janko: Von den traditionellen Terminen abgesehen, planen wir im Juli einen Workshop, bei dem gesunde Menschen erfahren können, wie es ist, sich im Rollstuhl zu bewegen. Angestoßen hat das Ciamak Abkai, der auch das Projekt „Wir sprechen Sport“ koordiniert hat. Der Workshop hat gleich mehrfach integrativen Charakter: Erstens macht ein Team aus Flüchtlingen mit, zweitens sorgt der Arbeitskreis Asyl für die Bewirtung – also auch hier eine vereinsübergreifende Aktion. Intern möchte ich zudem ein Treffen der TG-Ehrenmitgliedern organisieren, um den Dialog zu verstärken und diese stärker einzubinden. Ich bin gespannt auf das Feedback. Man hat ja als Vorstand vielleicht auch nicht immer alle Themen im Blick.