Heddesheim

Heddesheim Student Patrick Theobalt entwickelt Smartphone-Programm / Elektronisches Ticket erspart das Warten an der Kasse

Per Handy am Badesee zahlen

Archivartikel

Selbst wenn alle drei Kassen geöffnet sind: Wer an heißen Wochenenden eine Karte für den Heddesheimer Badesee kaufen will, muss sich auf eine lange Schlange gefasst machen. Damit soll jetzt Schluss sein. Pünktlich zum Beginn der Saison am kommenden Samstag präsentiert die Gemeinde ihre Badesee-App. Mit diesem Mini-Programm können Smartphone-Nutzer auf elektronischem Weg ihr Ticket lösen – und an der Schlange vorbei durch den Dauerkarten-Eingang marschieren.

Entwickelt hat die App der Heddesheimer Student Patrick Theobalt. Der 22-Jährige brachte die Idee vergangenen September zur Zukunftswerkstatt mit, in der die Gemeinde mit Bürgern die Strategie zur Digitalisierung erarbeitete. Erst ein paar Stunden zuvor habe er sich die Sache überlegt, gesteht er bei der gestrigen Präsentation im Rathaus. Seine Mutter Birgit sprach noch am selben Abend Bürgermeister Michael Kessler darauf an. Und der dachte sich: „Das wäre doch eine tolle Sache“. Soweit er weiß, gibt es diese Möglichkeit noch in keinem anderen Freibad in der Region.

Trotz Prüfungsstress klemmte sich Theobalt also dahinter – und schaffte es rechtzeitig. Die App „etickets Heddesheim“ ist ab sofort kostenlos für Android- und Apple-Smartphones verfügbar. Die Links zu den Download-Seiten hat die Gemeinde auch auf ihrer Homepage hinterlegt. „Wir haben die App bewusst einfach gehalten“, sagt Theobalt, der zuvor nur kleinere Anwendungen für den privaten Gebrauch entwickelt hat. Auf seinem Handy zeigt er das Logo des neuen Bezahlprogramms: Es ist die stilisierte Scheune, das Erkennungszeichen der Gemeinde Heddesheim.

Öffnet man das Programm, erscheinen auf dem Bildschirm die möglichen Tickets (Einzel-, Abend- oder Zehnerkarte), die Tarife (Erwachsene, Ermäßigte, Familie, Kind) und Ziffern, auf denen man die gewünschte Anzahl wählen kann. Mit einem Fingertipp auf „Kaufen“ geht es weiter zum Warenkorb – und von dort bei Bedarf zurück, wenn man weitere Tickets ordern möchte. Bezahlt wird wahlweise über die Anbieter Paypal oder Paydirekt – wofür man dort ein Konto benötigt – oder per Kreditkarte. Abschließend erhält der Nutzer einen QR-Code aufs Handy, der von den Mitarbeitern am Saisonkarteneingang gescannt und damit entwertet wird. Praktisch: „Die Tickets sind die ganze Saison lang gültig“, erklärt Theobalt. Wer also zu Hause seine Eintrittskarte per Handy kauft und dann doch nicht zum See geht, zeigt den Code einfach beim nächsten Mal vor. Es gelten übrigens dieselben Preise wie an der Tageskasse. Die Gemeinde kostet das Angebot nach Kesslers Angaben nur ein paar Euro monatlich für den Serverbetrieb. App-Entwickler Theobalt habe freilich eine Aufwandsentschädigung erhalten.

Ausweitung möglich

In der ersten Saison werde man nun zunächst Erfahrungen sammeln. „Von betrieblicher Seite sind wir überzeugt, dass uns die App helfen wird“, freut sich Badesee-Betriebsleiter Christopher Di Vita. Schließlich suchen an heißen Tagen bis zu 12 000 Besucher Abkühlung am Heddesheimer See. „Bei Hochbetrieb haben wir drei Kassen und die Saisonkartenkontrolle geöffnet“, erklärt er. Läuft die Sache gut, könnte sich Kessler irgendwann sogar einen voll automatisierten Eingang mit stationären Scannern vorstellen. Und natürlich eine Ausweitung auf das Hallenbad und die Eisbahn, wenn die E-Tickets Erfolg haben.