Heddesheim

Heddesheim Kunstverein gibt bei Veranstaltung „stART“ Kreativen ein Forum / Ausstellung lockt an drei Tagen rund 300 Besucher

Premiere besticht mit Vielfalt

Friedel Wagener steht neben seinen Skulpturen, sieht sich um und ist beeindruckt – „von der Breite, der tollen Mischung und dem hohen Qualitätsniveau“. Wagener gehört zu den 21 Künstlern, die am vergangenen Wochenende im Bürgerhaus beim Heddesheimer Kunstverein ausstellen. „stART“ nennt dieser sein neues Format, das laut Vorsitzendem Bernd Gerstner künftig alle zwei Jahre stattfinden und Kreativen aus dem Ort und der Region die Gelegenheit geben soll, ihre Arbeiten zu zeigen. Der Name spielt darauf an, dass es für manche Künstler die erste öffentliche Ausstellung ist – also ein Start. Zum Auftakt lockt die Veranstaltung an drei Tagen rund 300 Besucher in Heddesheims gute Stube.

Der Kunstverein setzt damit fort, was die Volkshochschule 20 Jahre lang als Hobbykünstlerausstellung organisiert hat. Für Gerstner passt das gut ins Konzept. „Unser Ziel ist, Kunst in den ganzen Ort zu bringen“, sagt er bei der Vernissage vor rund 100 Anwesenden. Über die große Resonanz freuen sich auch Barbara Kollmar und Ina Stabenau, die mit dem Vorsitzenden die Organisation von „stART“ stemmten. Profitiert habe man ebenfalls von der finanziellen Unterstützung der Sparkasse sowie der Vorarbeit von Dietmar Hess bei den zurückliegenden VHS-Ausstellungen, so Gerstner.

„Ich freue mich, dass ich diese langjährige Traditionsveranstaltung, die heute zum ersten Mal stattfindet, eröffnen darf“, scherzt Bürgermeister Michael Kessler dementsprechend. „Ich würde mir allerdings nicht erlauben, noch von Hobbykünstlern zu sprechen“, fügt er beeindruckt hinzu. Veranstaltungen wie diese könnten Bürger zur Kunst bringen, da sowohl der Ort als auch das Begleitprogramm die Hemmschwelle niedrig hielten. Am Samstag lockten Kaffee und Kuchen, am Sonntag ein Frühschoppen mit den Honeysuckle Twins die Gäste.

Lockere Atmosphäre

Ihr Übriges tut die ungezwungene Atmosphäre, in der die Künstler zwischen Stellwänden und Stehtischen Einblicke in ihre vielfältige Arbeit gewähren. 15 Kreative zeigen Malerei, Zeichnungen oder Druckgrafiken, fünf widmen sich Skulpturen, einer ist in beiden Genres zu Hause, wie Kunstvereinschef Gerstner erläutert. Friedel Wagener etwa bearbeitete das Holz aus dem Stamm eines gefällten Pflaumenbaums so lange, bis die natürliche Maserung in Farbe und Form eindrucksvoll zur Geltung kommt. Was eine „Frottage“ ist, erklärt Angelika Krukis interessierten Besuchern mit der Münze, die man unter ein Papier legt, um mit dem Bleistift die Struktur abzudrucken. Ihre beiden Frottagen entstanden allerdings mit Spezialmaterial am Rande einer Ausstellung zum Thema, wie die Hobbykünstlerin erzählt. Den passenden Hintergrund malte sie später dazu.

„Altes Land“ nennt Waltraud Hurrelmann ihr Bild, das sie in einem Acrylmalkurs der VHS angefertigt hat. „Am Himmel habe ich lang gearbeitet“, räumt sie ein. Auch sie ist begeistert von den vielen Facetten der Ausstellung im Bürgerhaus. Ein Lob, das bei der Vernissage häufig zu hören ist. „Es gab bewusst keine Vorgabe“, erläutert Organisatorin Ina Stabenau: „Jeder, der Freude am Gestalten hat, war aufgerufen.“ Ihre eigenen Hühner-Bilder zaubern im Bürgerhaus so manchem Besucher ein Lächeln ins Gesicht: Stabenau lässt das Federvieh auch über den Laufsteg stolzieren und nennt das dann „Germany’s next Topmodel“.

Manches ist unverkäuflich

Zu jenen, die ihre Arbeiten erstmals vor Publikum zu zeigen, gehört der Heddesheimer Gerhard Heimsch, den viele als Hobby-Archäologen und Fossiliensammler kennen. Dass der 76-Jährige auch seit der Jugend malt, erfahren die Gäste anhand des Steckbriefs, auf dem die Künstler sich und ihre Werke an den Stellwänden und Tischen vorstellen. Während einige die Schau auch nutzen, um das eine oder andere Stück zu verkaufen – die Preise reichen bis ins Vierstellige –, will Heimsch sich von nichts trennen: „Dann isses weg, und das will ich nicht“, sagt er lächelnd.

Das Persönliche und Bodenständige ist es, was die Ausstellung ausmacht. Das Herzblut, das die Urheber mit ihren Werken verbindet und das den Betrachter mitunter so berührt wie bei den von Maria Bauer gemalten „Helden des Kinderzimmers“. Unverkäuflich natürlich, denn so etwas gibt man nicht her.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/heddesheim

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