Heddesheim

Heddesheim Münchener Theater-Ensemble glänzt im Bürgerhaus / „Wer hat Angst vorm weißen Mann?“ arbeitet sich an Vorurteilen ab

„Publikum und Stimmung einmalig“

„Wer hat Angst vorm weißen Mann?“ ist eine großartige Komödie, die sich zugleich schonungslos mit rassistischen Klischees, gängigen Vorurteilen, mit der Ablehnung des Fremden und der Doppelmoral auseinandersetzt. Beim „Theater im Bürgerhaus“ der Gemeinde Heddesheim setzte das Ensemble der „Komödie im Bayerischen Hof München“ das Stück von Dominique Lorenz gekonnt in Szene.

Besucher Gerhard Weimann brachte es auf den Punkt: „Das Stück war sehr gut und zeigte die Realität.“ Dementsprechend ernteten die Schauspieler für ihre Darbietung am Ende verdient kräftigen Beifall. Für den Service rund herum sorgte das Helferteam um die Vorsitzende des örtlichen Mundart-Theaters Lellebollem, Petra Frank. Auf der Bühne agierten Schauspieler, die bereits in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt haben. Der bayrische Dialekt insbesondere von Hans Stadlbauer, der den grantigen, erzkonservativen und rassistischen Metzgermeister Franz Maisacher verkörperte, sowie die Akkordeonmusik von Julian Schwarz, der die Aufführung musikalisch umrahmte, ließen bei den Zuschauern den Eindruck entstehen, einer „krachledernen“ bayrischen Komödie beizuwohnen.

Hans Stadlbauer und Joanna Semmelrogge, die die Tochter Zita des Metzgermeisters spielte, lobten nach der Veranstaltung die Zuschauer im Bürgerhaus. „Das Publikum und die Stimmung waren einmalig“, sagte Stadlbauer: „Die kleinen Gags, die ein gutes Boulevardtheater ausmachen, sind angekommen. Es hat viel Spaß gemacht, hier zu spielen.“ Joanna Semmelrogge bestätigte: „Das Publikum hat uns beflügelt.“ Die Bühne sei zwar klein, weshalb nicht alle Bühnenelemente aufgebaut werden konnten, und etwas kompliziert „zu bespielen“, doch die Stimmung des Publikums habe dies wettgemacht, freuten sich die Akteure. Letztlich sei es auch „eine schöne Herausforderung“, auf anderen Bühnen zu spielen, dadurch wirke das Stück „frisch“, wie die beiden Schauspieler erklärten. Die Unterschiede zu Film- oder Serienauftritten lägen im direkten Kontakt zum Publikum, dem unmittelbaren Besucher-Feedback sowie im zeitlichen Ablauf der Rollen, zählten sie Beispiele aus ihrer Arbeit auf. Für Stadlbauer im konkreten Stück besonders spannend: Der Moment, als er als „Geist“ wieder auf der Bühne erscheint und sich als Schauspieler fragt, ob er als solcher auch „vom Publikum angenommen“ wird.

Der „Bimbo“ soll weg

Zur Handlung: Metzgermeister Franz Maisacher macht Weißwürste wie kein Zweiter! Doch nach einem Schlaganfall muss er zusehen, wie seine Tochter Zita den dunkelhäutigen Asylbewerber Alpha (Dimitri Abold) aus dem Kongo in der Metzgerei engagiert und um den Erhalt der Metzgerei kämpft. Sowohl für den alten Maisacher als auch für seine Kunden ist es ein „No-Go“, dass ein Farbiger Weißwürste herstellt. Der „Neger“, „Bimbo“ oder „Der do!“, wie ihn Maisacher beschimpft, soll sofort wieder weg. Alpha versucht, die Freundschaft mit dem Metzgermeister sogar durch einen Voodoo-Zauber zu erzwingen – ohne Erfolg. Bei einem Streit mit Alpha beim Glühbirnenwechseln stirbt Maisacher durch einen Stromschlag. Fortan versucht er als Geist, ins irdische Geschehen einzugreifen. Denn erstens muss sein Lebenswerk, die Metzgerei, vor dem Ruin gerettet werden und zweitens entpuppt sich sein Sohn Anton als Erbschleicher, der aus der Metzgerei eine Lounge machen will.

Problem: Nur Alpha, der Asylbewerber, kann den Geist des Metzgermeisters sehen, mit ihm sprechen – und somit helfen. Beide Männer sind schicksalhaft aneinandergekettet. Als Geist beruft sich Metzgermeister Maisacher gegenüber dem Asylbewerber Alpha mehrmals darauf, dass alle Menschen gleich sind. Eine Aussage, die er zu Lebezeiten nur mit Einschränkungen tätigte. Köstlich werden auch die Klischees vom deutschen Beamten in der Komödie bedient.

Kurzum: Viel Stoff zum Nachdenken über das Zusammenleben von Kulturen und gegenseitigen Respekt – versehen mit viel „schwarzem“ Humor und Sprachwitz. „Schön, war es auch zu hören, welche urigen Schimpfwörter es in Bayern gibt“, stellte eine Besucherin fest.