Heddesheim

Heddesheim Ehemalige Leistungssportlerin Franziska van Almsick setzt sich für mehr und besseren Schwimmunterricht ein

„Schon kleine Dinge machen Freude am Wasser“

Archivartikel

Die vielfache Olympiamedaillengewinnerin Franziska van Almsick setzt sich mit ihrer Stiftung dafür ein, dass Kinder schwimmen lernen. Wir sprachen mit ihr im Hallenbad Heddesheim.

Frau van Almsick, erinnern Sie sich noch, wann und wie Sie schwimmen gelernt haben?

Franziska van Almsick: Ich war fünf, mein Bruder ist fünf Jahre älter als ich und musste mich vom Kindergarten abholen. Er war spät dran und hat mich deshalb mit in die Schwimmhalle genommen. Dann habe ich gesehen, was er macht und bin nach Hause und habe gesagt: Genau das will ich auch machen. Und dann ging’s los. Ich bin irgendwie ins Wasser gefallen und losgeschwommen.

Warum ist es Ihnen ein Herzensanliegen, dass Kinder schwimmen lernen?

van Almsick: Ich glaube, dass es wichtig ist, meine Stimme zu erheben, weil mir die Leute vielleicht mehr zuhören als anderen. Wenn ich sehe, wie viele Kinder im Nichtschwimmerbecken sind, dann finde ich das sehr traurig. Kinder müssen sicher schwimmen lernen.

Geht es Ihnen da mehr um den Leistungssport oder mehr um den Spaß am Schwimmen und die Sicherheit der Kinder?

van Almsick: Es geht mir nicht in erster Linie um den Leistungssport. Natürlich ist es toll um jedes Kind, das entdeckt wird. Meine Intention ist aber diese: Jedes Kind, das die Grundschule verlässt, sollte eine Schwimmart technisch sauber beherrschen. Es gibt immer noch zu viele Kinder, die ertrinken, weil sie nicht schwimmen können.

Wann sollten Eltern damit beginnen, ihre Kinder mit dem Element Wasser vertraut zu machen?

van Almsick: So früh wie möglich. Es geht schon in der Badewanne und unter der Dusche los. Oft sind es kleine Dinge, mit denen Eltern ihren Kindern Freude am Wasser geben können. Darum geht es. Schwimmen lernen sollten Kinder so früh wie möglich. Sie können auch mit vier oder fünf Jahren schon ihr Seepferdchen machen.

Wie haben Sie Ihren Kindern das Schwimmen beigebracht?

van Almsick: Meine Kinder haben so schwimmen gelernt, wie ich das seit zehn Jahren propagiere, mit einem erfahrenen und ausgebildeten Schwimmlehrer. Ich bin erst dran, wenn es darum geht, schneller zu schwimmen als die anderen.

Ihr Kinderbuchheld Paul Plantschnase war schon am Meer und im Schwimmkurs. Planen Sie ein weiteres Buch in dieser Reihe?

van Almsick: Ja, es wäre schön, wenn die Reise weiterginge. Das ist einfach ein Thema, über das man noch mehr reden muss. Es gibt wahnsinnig wenig Bücher, in denen es ums Schwimmenlernen geht.

Sie selbst haben jede Menge Medaillen und Titel errungen. Wie ist es aus Ihrer Sicht heute um den deutschen Nationalkader im Schwimmen bestellt?

van Almsick: Vielleicht schlummert da gerade etwas. Bestimmte Dinge brauchen einfach ihre Zeit. Ich glaube, dass wir ein paar junge Talente haben, das haben jetzt auch die olympischen Jugendspiele gezeigt. Ich denke, dass wir uns wieder berappeln. Wir haben ein schweres und tiefes Tal durchschritten. Aber so grandiose Zeiten, wie wir sie einmal hatten, die sind einfach vorbei. Das gibt es in anderen Sportarten ja auch. hje

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