Heddesheim

Neckar-Bergstraße Karl-Drais-Schule Heddesheim blickt auf fast drei Monate Homeschooling zurück

Schule daheim kein Kinderspiel

Archivartikel

Interaktive Tafeln und iPads im Unterricht: In Sachen digitales Lernen ist die Karl-Drais-Gemeinschaftsschule (KDS) in Heddesheim schon lange gut gerüstet. Doch Corona hat auch diese Bildungseinrichtung vor große Herausforderungen gestellt. „Die Schließungen haben uns alle überrascht“, gesteht Christine Senger, seit August 2019 Leiterin der KDS.

Es war ausgerechnet Freitag, der 13. März, als die Nachricht des Staatlichen Schulamtes kam, wonach eine Schließung der Schulen möglich sei. „Ich setzte spontan für die große Pause, um 10 Uhr, eine Dienstbesprechung an“, erinnert sie sich an diesen Tag. Umgehend ließ man die Schüler ihre Lernwegelisten und Bücher einpacken. „Es ist natürlich von Vorteil, wenn die Schüler gewohnt sind, mittels dieser Listen, unterstützt von Inputs, Lernvideos und Filmen. zu lernen und sich Inhalte zu erarbeiten“, erläutert Senger die Vorteile des Prinzips Gemeinschaftsschule.

Drei Wochen wurden drei Monate

Schon an jenem Freitag wurde die Lernplattform „Moodle“ als Möglichkeit besprochen, Unterrichtsinhalte zur Verfügung zu stellen und auch die Rückgabe und Bewertung der erledigten Aufgaben zu organisieren. „Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, dass lediglich eine Zeitspanne von drei Wochen zu überbrücken sei“, blickt Senger auf fast ein Vierteljahr zurück. Nach der verfügten Schließung startete das große Experiment. „Wir begannen uns an das Onlinelernen heranzutasten, verschickten Wochenaufgaben, standen online für Sprechstunden zur Verfügung und telefonierten mit den Schülerinnen und Schülern“, erläutert die Rektorin. Nach einer Woche gaben die ersten Lehrer mit Hilfe des Videokonferenztools „Zoom“ Unterricht vor dem PC. Auch Teamsitzungen und Konferenzen fanden auf diesem Weg statt. „Die Kollegen hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon gut in Moodle eingearbeitet, und der Unterricht vor dem PC fand in fast allen Jahrgangsstufen statt“, berichtet Senger.

Zwei Kollegen hätten dann aber herausgefunden, dass das Onlinetool „Microsoft Teams“ sich besser eignen würde. In den Osterferien lief deshalb eine Testphase mit wenigen Kollegen, die sich in das Programm einarbeiteten und eine vorbereitete digitale Lernumgebung ausbauten. Am Freitag vor Ende der Osterferien wurde den übrigen Lehrern das Programm vorgestellt, in das sie sich in kürzester Zeit einarbeiten mussten. Nach der Schulung erstellten sie für ihre Klassen einen richtigen Stundenplan, mit Unterrichtsphasen und Übungsstunden in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. „Die Schülerinnen und Schüler genossen es, ein Stück Normalität zurückzugewinnen und ihre Klassenkameraden und ihre Lernbegleiter zumindest virtuell wieder zu treffen“, berichtet die Schulleiterin.

iPads ausgeliehen

„Im Laufe der Zeit wurden die Kollegen immer mehr zu Experten für diese Art von Lernen, und auch viele Schüler wuchsen über sich hinaus“, schwärmt Senger. „Damit wir kein Kind verlieren, das nicht über die richtige Hardware verfügt, verliehen wir die schuleigenen iPads an die Schüler, die entweder keinen Computer oder zu wenige Geräte in der Familie hatten“, erklärt sie weiter. Man habe alle Schüler erreicht, „wenn auch bei einigen nicht ohne Mühen“. Die Lehrer telefonierten und schrieben den säumigen Schülern laut Senger hinterher, auch wenn dies nur zehn Prozent der Klasse betroffen habe. Schulsozialarbeiter Uli Biedermann habe die Eltern intensiv unterstützt: „Er hörte zu, sprach mit den Kindern, verhandelte, tröstete und sprach Mut zu.“

Nach den Ferien Hybrid-Plan

Als Vater zweier Schüler hat auch Wolfram Rogge das Experiment miterlebt. Der Informatiker zeigt sich hellauf begeistert von der Arbeit der Schule: „Das haben die super umgesetzt. Das ging schneller als in manch einem Unternehmen.“ Für Sohn Julian, der die neunte Klasse besucht, war es trotzdem eine Umstellung: „Der Einstieg war schon etwas schwierig.“ Zuhause könne man konzentrierter arbeiten, sagt er: „Aber der Kontakt zu den Mitschülern fehlt.“

Sein jüngerer Brüder Adrian aus der achten Klasse gesteht hingegen: „Zuhause lernen ist mir lieber. Da hat man viel mehr Ruhe und kann viel schneller arbeiten.“ Als Autist braucht er diese Ruhe ganz besonders. Nach den Pfingstferien geht es auch für ihn mit Hybridunterricht weiter. Eine Woche lang sind die Schüler in der Schule, die zweite lernen sie zuhause. Nur die neunten und zehnten Klassen sind dauerhaft in der Schule.