Heddesheim

Heddesheim Gemeinde kündigt Maßnahmen nach Unfall mit Neunjährigem an / "Erweitertes Halteverbot für mehr Übersichtlichkeit"

Schulstraße soll sicherer werden

Nach einem Verkehrsunfall in der Heddesheimer Schulstraße will die Gemeinde das absolute Halteverbot vor der Hans-Thoma-Grundschule ausweiten. Das kündigte der Heddesheimer Bürgermeister Michael Kessler auf Nachfrage dieser Zeitung an. Gestern haben Mitarbeiter des Bauhofs mit der Montage zusätzlicher Poller vor der Schule begonnen. Einer von zwei neuen, rot-weißen Pfosten stand am Nachmittag bereits. Der zweite soll nach Auskunft von Bauhofleiter Wolfgang Unverricht heute folgen.

Bei dem Unfall vor zwei Wochen war ein neunjähriger Schüler leicht verletzt worden, als er auf dem Weg zum Unterricht an der Ausbuchtung des Gehwegs die Straße überquerte. Nach Angaben der Polizei war der Junge hinter einem geparkten Auto auf die Fahrbahn getreten. Er wurde von einem 45-jährigen VW-Fahrer erfasst, der langsam in Richtung Unterdorfstraße unterwegs war. Der Neunjährige erlitt glücklicherweise nur leichte Verletzungen am Fuß.

Dass es viel schlimmer hätte kommen können, zeigt ein tödlicher Unfall Anfang 2016 in Heidelberg. Ein ebenfalls Neunjähriger warf vor einer Schule mit seinen Freunden Schneebälle, als er auf die Straße fiel und dort von einem Lieferwagen überrollt wurde. Der Fahrer des Wagens fuhr in der verkehrsberuhigten Zone allerdings 20 Kilometer pro Stunde statt erlaubter sieben und übersah das Kind.

Die Gemeinde Heddesheim hat den Unfall vor ihrer Grundschule zum Anlass genommen, um die als Parkplatz missbrauchten Flächen künftig "durch Zickzacklinien für jeden deutlich erkennbar als Halteverbotsflächen zu kennzeichnen", erklärt der Bürgermeister: "Die neuen Poller sollen dafür sorgen, dass keiner vor und hinter der Ausbuchtung parken kann." Mit diesen Maßnahmen solle die Übersichtlichkeit der Straße für Kinder und Autofahrer "deutlich verbessert" werden.

Mutter schreibt an Bürgermeister

Zu verdanken sind die Neuerungen nicht zuletzt einer Initiative der Mutter des verletzten Jungen. Die 38-jährige Sarah D'Almeida will verhindern, dass es anderen Kindern so ergeht wie ihrem Sohn. "Bevor ein Kind noch schlimmer unter die Räder kommt, müssen wir handeln", sagt sie. Aus diesem Grund schrieb D'Almeida einige Tage nach dem Unfall einen Brief an den Bürgermeister. Darin schlug sie unter anderem vor, Blumenkübel auf die Halteverbotsflächen zu stellen, um zu verhindern, dass um die Ausbuchtung herum Autos parken und die Sicht auf die Straße einschränken.

"Die Eltern fahren ihre Kinder zum Unterricht und wollen nur mal kurz vor der Schule halten. Der Mann, der bei dem Unfall meines Sohnes ,kurz' dort hielt, wollte auch nur eben mal ins Sekretariat", erklärt die Mutter. Ihr Sohn sei angefahren worden, weil der Autofahrer "ihn deshalb blöderweise gar nicht sehen konnte", sagt sie.

Auch an der Hans-Thoma-Grundschule weiß man um das Problem der Falschparker. Schulleiterin Dagmar Knispel-Gottauf setzt ihre Hoffnung deshalb in die Maßnahmen der Gemeinde. "Das Parkverbot wird jetzt ausgebaut. Danach können die Schüler sicherer bei der Ausbuchtung über die Straße gehen, weil sie die fahrenden Autos besser sehen können", hofft sie.

Vor allem das Verkehrsaufkommen zu Schulbeginn und nach Ende des Unterrichts führe zu gefährlichen Situationen, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen oder sie abholen, sagt Knispel-Gottauf. "Viele denken sich, ich halte ja nur kurz. Aber wenn halt drei Eltern das gleiche tun, dann haben die Kinder auf der Straße keinen Überblick mehr", erklärt die Schulleiterin.

Der Unfall habe an der Schule für Diskussionen gesorgt - und vielleicht mehr Akzeptanz für Alternativen gefördert. Die Schule organisiert seit mehreren Jahren die Aktionswochen "Zu Fuß zur Schule", in denen sie dafür wirbt, dass die Schüler häufiger zum Unterricht laufen (Bericht auf dieser Seite).

Die Gemeinde will die Situation in der Schulstraße auch künftig im Auge behalten, kündigt Bürgermeister Kessler an: "Wir beobachten das und suchen das Gespräch mit den Eltern. Wenn die Maßnahmen nicht funktionieren, werden wir uns weitere Dinge überlegen müssen." Welche das sein können, darüber will er nicht spekulieren. Vorschläge wie einen verkehrsberuhigten Bereich hält er aber für schwer realisierbar, da man dafür auch mit den Anwohnern sprechen und größere bauliche Änderungen vornehmen müsse. "In der Situation, die morgens herrscht, kann jeder sowieso nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Das Tempo ist nicht das Thema, sondern die Übersichtlichkeit", erklärt er.