Heddesheim

Heddesheim JazzLight treten vor dem Ratskeller auf / Frösteln beim Sommerkonzert

Stevie Wonder gegen Kälte

„Das ist eine Premiere“, kündigte der Bandleader Olaf Schönborn das jährliche Jazz Open-Air im Hof des Heddesheimer Ratskellers an: „Zum ersten Mal haben all meine Blechbläser ihre Schalldämpfer dabei.“ Es war ein eher kritisches Lob, doch die sonst vergesslichen Blechbläser ließen sich in ihrem Spiel davon nicht beeinflussen.

Normalerweise spielt die Jazzband „JazzLight“ im tiefen Ratskeller in der Trattoria Modena, doch einmal im Jahr gibt es deren Auftritt als Open Air auf dem Schulhof vor dem Ratskeller. „Das ist normalerweise im Sommer in der Sommerwärme eine schöne Atmosphäre, in dem Biergarten hier mit italienischer Kost, und Jazzmusik“, wie eine Zuhörerin sich erinnert: „Aber dieses Jahr ist es ein kalter Biergarten.“

In der Nacht zuvor hatte es gestürmt und geregnet, die Temperatur kam nicht über 19 Grad hinaus, und nicht wenige Gäste saßen eingewickelt in Decken etwas fröstelnd auf ihren Stühlen. Dennoch waren alle Plätze belegt, und keiner ging wegen des Wetters früher.

Der Gitarrist hat viel Energie

„Ihr seid so still, weil ihr so friert“, attestierte Schönborn den Zuhörern eine gewisse Zurückhaltung: „Aber wir heizen euch ein!“ Seine Ankündigung machte er wahr und drehte den Takt ein wenig nach oben.

Das zeigte Wirkung, die Zuschauer kamen nach und nach unter ihren Decken hervor und es kam doch noch ein wenig sommerliche Biergartenatmosphäre auf. Doch der schnelle Takt hatte offensichtlich seinen Preis: Beim letzten Stück vor der Pause haute der E-Gitarrist die Sicherung raus. Bandleader Schönborn lieferte eine andere Erklärung für das Phänomen: „Der Gitarrist hat zu viel Energie.“

Mit Pop, Soul und leichtem Jazz lieferten JazzLight jedenfalls ein schönes, stimmungsvolles und begeisterndes Konzert: „Wir sind eine offene Formation, wir sind seit 10 Jahren zusammen, und jeder ist willkommen, auch wenn er nicht in Heddesheim wohnt“, so der Hinweis von Schönborn: „Wir spielen Beatles, Latin Jazz und vieles anderes Bekanntes und Unbekanntes.“

Der unverwechselbare Sound von Stevie Wonder gehört auch zum Repertoire: „Stellt euch einfach vor, ihr seid jetzt in der Karibik....“, wie Schönborn ein wenig Sommerfeeling dazu komponierte. Da hörte sich Stevie Wonder gleich viel besser an, und auch das Bibbern in der Kälte änderte sich in ein rhythmisches Mitklatschen.

Als gäbe es die Kälte nicht, forderten die Zuhörer am Ende noch einige Zugaben, sehr zum Leidwesen der Musiker: „Wir riechen schon das Mittagessen aus der Küche und spielen noch ein Lied für Euch.“

Wer das Konzert verpasst hat oder die Musiker und Sänger nochmals erleben möchte, der kann sich schon jetzt den 21. Juli im Kalender eintragen. Beim Heddesheimer Dorffeschd treten die JazzLights nochmals auf. Vielleicht ist bis dahin auch der Sommer wieder zurück. dle