Heddesheim

Heddesheim Asylkreis und Literaturgruppe begrüßen zahlreiche Besucher im Alten Rathaus

Stühle erzählen Geschichten

Archivartikel

Schon im Treppenhaus empfingen bunt bemalte Stühle die Besucher des Alten Rathauses von Heddesheim. Zusammen mit Textvorträgen stimmten sie auf die Ausstellung im dritten Stock ein. In den Räumen des Kunstvereins zeigte der Arbeitskreis Flucht und Asyl während des Dorffeschd-Wochenendes seine Werkschau mit „Asylstühlen“.

Gestaltet worden waren die präsentierten Kunstwerke ursprünglich anlässlich des Weltflüchtlingstags und der Europawahl im Mai. Das gemeinsame Erschaffen stand dabei im Vordergrund. Denn angefertigt wurden die bunten Stühle im Rahmen des Café Welcome, das seit Anfang 2015 Flüchtlingen in Heddesheim eine Möglichkeit bietet, sowohl andere Geflüchtete als auch Einheimische kennenzulernen. Der Treffpunkt versteht sich als Raum für Begegnungen – gerade dann, „wenn man sich nicht so richtig traut, mit jemandem in Kontakt zu kommen“, wie Melanie Brunner-Straub vom Arbeitskreis Flucht und Asyl erklärt.

Vom Projekt begeistert

Gefördert wird das integrative Gemeinschaftsprojekt durch die Bundeszentrale für politische Bildung. So wurden schließlich die Pinsel geschwungen, und aus der ursprünglichen Idee, drei Stühle zu gestalten, wurden letztendlich zehn Kunstwerke. Immer mehr Geflüchtete waren von dem Projekt begeistert – Kinder mit ihren Eltern, bastelfreudige Männer und Frauen sowie Teilnehmer der Kinderkirche Heddesheim bemalten mit viel Elan die Stühle. Alle waren nun gemeinsam mit Melanie Brunner-Straub und Eva Martin-Schneider, der Leiterin der Literaturgruppe im Kunstverein, sehr stolz, ihre Ergebnisse präsentieren zu können.

Über die Stühle erzählen die Künstler ihre persönliche Geschichte der Flucht, drücken ihr Verständnis von Heimat sowie ihre Hoffnungen und Wünsche aus. Die Sitzmöbel beeindruckten durch ihre Individualität, kamen doch bei der Gestaltung verschiedene Farben, Sprachen und Symbole zum Einsatz. Ein Zusammenspiel von Kunst, Raum, Bewegung und Sprache gelang während der Ausstellung durch das Einspielen von Interviews mit Migranten und durch beeindruckende Bleistiftzeichnungen, die über den Stühlen hingen und von der jungen Syrerin Naza Sheikhi stammen. Auch Textvorträge zum Thema Flucht und Heimat trugen zum gelungenen Gesamtwerk bei.

„Gerne dürfen Sie miteinander ins Gespräch kommen“, lud Eva Martin-Schneider die zahlreichen Besucher im Alten Rathaus ein. Einige der Stuhl-Künstler waren ebenfalls vor Ort, um von den Intentionen hinter ihren Werken zu erzählen und Fragen zu beantworten. Denn wie schon bei anderen Veranstaltungen von Asylkreis und Literaturgruppe galt auch hier das Motto: „Miteinander statt gegeneinander“.