Heddesheim

Heddesheim Archäologen entdecken Knochen auf Baustelle in der Viernheimer Straße / Auch „Mitten im Feld“ neue Spuren

Unterm Asphalt schlummern Gräber aus dem 7. Jahrhundert

Archivartikel

„Wir sind jetzt am südlichen Rand der römerzeitlichen Siedlung“, sagt Klaus Wirth. Er zeigt auf einige dunkle Flecken in der knüppelharten, hellen Erde. „Diese Befunde deuten auf Pfosten von Gebäuderesten hin“, erklärt der Archäologe der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (REM).

In der Baugrube an der Johannes-Brahms-Straße im Neubaugebiet Mitten im Feld I, wo die FF Planen und Bauen das letzte Haus ihres Quartiers errichten will, kratzt der Bagger vorsichtig über den Boden. Stück für Stück zieht die Schaufel immer nur eine dünne Schicht Erde mit. „Der Fahrer ist ausgezeichnet“, freut sich Wirth über die topfebene Fläche, die den Archäologen beste Voraussetzungen bietet. Im Gegensatz zum Wetter. Nicht nur, dass die Hitze den REM-Mitarbeitern und ihren ehrenamtlichen Helfern Gerhard Heimsch, Georg Trapp und Horst Seifert zu schaffen macht. „Der Boden ist stark ausgetrocknet und betonhart“, erklärt Wirth. „Gestern Abend haben wir gewässert und die Befunde mit Planen bedeckt, um die Feuchtigkeit zu halten. Dadurch wird die Bearbeitung leichter.“

Aktuell bereitet der Fachmann die digitale Vermessung vor, später werden die Strukturen im Querschnitt untersucht. „Dazu wird der Bagger einen Graben ausheben, in dem wir besser an den Profilen arbeiten können“, erläutert Wirth die nächsten Schritte. Weiter nördlich hatten er und seine Kollegen in den vergangenen Jahren Spuren aus römischer Kaiserzeit entdeckt. Jetzt hoffen sie, die damals gewonnenen Erkenntnisse ergänzen zu können.

Einige hundert Meter weiter südwestlich, an der Viernheimer Straße, scheint das dieser Tage schon zu gelingen. Auf Höhe der Tankstelle laufen derzeit die Arbeiten zur Erneuerung der Trinkwasserleitung. „Die Bauarbeiten finden in einem bekannten Gräberfeld aus der frühen Merowingerzeit statt“, erklärt Wirth, warum das Areal aus archäologischer Sicht spannend ist. In den vergangenen Tagen habe der Bagger mehrere Gräber, etwa 1,6 bis 1,8 Meter unter Straßenniveau angeschnitten und etliche Skelettteile zutage befördert. In zwei Fällen kamen Keramikteile zum Vorschein, die eine zeitliche Einordnung in das 7. Jahrhundert nach Christus erlauben.

Dokumentation wird ergänzt

Gerhard Heimsch fand etwa bei einem teils zerstörten Kindergrab Fragmente eines sogenannten Knickwandtopfes, der typisch für die Merowingerzeit sei. „Metallgegenstände, die man in den Gräbern ebenfalls vermuten könnte, fehlen aber komplett“, bedauert Wirth. Auch die Lage der Skelette lasse darauf schließen, dass frühe Raubgräber alles für sie Brauchbare haben mitgehen lassen, etwa Beigaben wie Schmuck oder Waffen. Für die Archäologen liefern die Grabungen trotzdem wichtige Details für ihre Dokumentationen, wie er betont. Auch die Lage des Gräberfelds lasse sich nun besser eingrenzen.

Weiter in den Boden eingreifen dürften die Spurensucher freilich nicht – auch dann nicht, wenn sie direkt neben der Baugrube weitere Funde vermuten. Wirth verweist auf die rechtliche Lage: „Wir zerstören keine Denkmäler, die durch eine Baumaßnahme nicht gefährdet sind.“ Entsprechend geht es auch in der Viernheimer Straße vor allem darum, zu sichern, was ansonsten für immer verloren ginge – und alles haarklein zu dokumentieren.

Das geschehe jeweils in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt – und nicht zuletzt unter einem gewissen Zeitdruck, um den Fortschritt der eigentlichen Baumaßnahme nicht zu gefährden. „Wir versuchen, den denkmalbedingten Mehraufwand zu reduzieren“, versichert der Grabungsleiter. Bereits heute, schätzt er, sei die Arbeit der Archäologen an dieser Baustelle beendet. „Dann werden die Funde dokumentiert, gewaschen und inventarisiert.“ Was dann noch im Boden liegt, bleibt dort – bis die Straße vielleicht eines Tages an anderer Stelle wieder aufgerissen werden muss.