Heddesheim

Heddesheim Sandra Jankowski und Frank Klaffke vom Theater Sturmvogel bedienen zum Frauentag Klischees

„Wie erziehe ich mir einen Mann?“

Archivartikel

Am Vorabend des internationalen Frauentages hat das Theater Sturmvogel aus Reutlingen im Bürgerhaus in Heddesheim gastiert. Annette Eyckmann, die Leiterin der Gemeindebücherei, erinnerte bei der Begrüßung daran, dass genau vor 100 Jahren die Frauen erstmals in Deutschland wählen durften. „Dies ist Anlass genug, eine Veranstaltung zum Thema ‚Frauen an die Macht’ durchzuführen“, sagte Eyckmann.

Wie sich die Super-Frauen das Leben vorstellen, wird an diesem Abend nicht eindeutig geklärt. Die Schauspielerin Sandra Jankowski stellt gekonnt mehrere Frauentypen vor. Sie schauspielert, singt und zeigt auf der Bühne eine erstaunliche Wandungsfähigkeit. Sie wechselt die Typen wie ihre Kleidung. Überzeugend spielt sie die Femme Fatale, eine Männer verschlingende Frau, rätselhaft, fordernd und anziehend zugleich. Sie fragt: „Wie erziehe ich den Mann vom Streuner zum treuen Begleiter?“ Sie gibt sich als Männerfresserin, bei der Donald Trump seinen Slip verliert.

Ihr Schauspielpartner Frank Klaffke gibt den rätselnden, unverstandenen Mann, der von Alpträumen geplagt wird. Nachts wacht er auf und träumt von Frauen, die an die Macht wollen. Er hat Angst. „Die nehmen mir das Bier und geben mir Bio“, befürchtet der geplagte Mann. Er moderiert den Wettbewerb „Deutschland sucht die Superfrau“ und begleitet seine Kollegin am Klavier. Klaffke ist für den Feminismus und beweist seine Überzeugung mit Beispielen: „Sie darf im Lokal ihr Essen selbst bezahlen und auch ihre Winterreifen selbst wechseln.“ Sandra Jankowski wiederum ist dafür, die Männer auszurotten und die Frauen zu klonen. Sie zitiert die „Muttergottes der deutschen Frauenbewegung“, Alice Schwarzer, mit der Feststellung: „Gleichberechtigung ist dann erreicht, wenn Frauen so dumm sein dürfen wie Männer.“ Natürlich darf das Thema Sitzpinkeln nicht fehlen. Beide Künstler verstehen es sehr gut, das Publikum in ihr munteres Spiel mit einzubeziehen. Dabei kommen offenherzige Kommentare zurück. Männer aus dem Katalog, die schon drei Semester Hauswirtschaft studiert haben, könnten eine Option sein. „Wollt ihr Weicheier oder Machos?“, werden die Damen gefragt. Sowohl als auch, entscheidend ist der Anlass.

Frauen müssen alles machen, Männer liegen faul auf der Couch, ergibt ein Dialog. Helikoptermütter, überängstliche Mütter, die sich zu viel einmischen und dabei die vollständige Kontrolle im Leben ihrer Kinder übernehmen, werden lebensecht parodiert. Als schwäbelnde Politikerin ist Jankowski hervorragend. AKK mit ihrer Testbildjacke, Andrea Anales oder „Uschi, das Flintenweib“, bekommen ihr Fett weg.

„Redet miteinander“

Wer zeichnet eigentlich das Bild der Frauen in den typischen Frauenzeitschriften? Die Frauen selbst. Sie tun es als Herausgeberinnen oder Chef-Redakteurinnen. Jankowski rät auch: „Männer lasst eure Hände verkleinern, anstatt zu fordern, dass sich die Frauen die Brüste vergrößern lassen.“ Fazit: Ein Austausch bekannter Klischees mit dem gutgemeinten Tipp: „Redet miteinander und sucht gemeinsame Lösungen!“