Heddesheim

Heddesheim SPD-Fraktionschef Jürgen Merx spricht im Interview über Schulentwicklung, öffentliches WLAN und andere Themen für die Zukunft

„Wir sind nicht mehr das Bauerndorf“

Die neue E-Tankstelle im Ort geht auf eine Initiative der SPD im Gemeinderat zurück. Dass dort noch kaum jemand tankt, stört Fraktionschef Jürgen Merx nicht. „Wir müssen in die Zukunft denken“, sagt er.

Herr Merx, warum haben Sie die Schul-Baustelle als Treffpunkt für unser Gespräch gewählt?

Jürgen Merx: Weil hier etwas entsteht, was für die Zukunft Heddesheims von sehr großer Bedeutung ist. Bildung und Betreuung stehen außerdem für die Arbeit der SPD im Gemeinderat ganz weit oben.

Das heißt konkret?

Merx: Dass wir dank der Gemeinschaftsschule eine stark nachgefragte weiterführende Schule im Ort haben, ist ein großer Erfolg. Ebenso wichtig ist jetzt, an der Grundschule Platz zu schaffen und sie zur Ganztagsschule auszubauen. Wir müssen bei dem Thema für die Zukunft gut aufgestellt sein. Dafür nehmen wir alles in allem mehr als zehn Millionen Euro in die Hand.

Stichwort Ganztagsschule: Welches zeitliche Modell favorisieren Sie da?

Merx: An fünf Tagen bis 17 Uhr wäre für berufstätige Eltern natürlich optimal, aber man muss realistisch bleiben. Da geht es auch um die erforderlichen Lehrerstellen und die Akzeptanz seitens der Schule. Ich denke, es wird auf vier Tage und jeweils 16 Uhr hinauslaufen, und das wäre ein tragfähiger Kompromiss.

Der aber vielleicht jenen Eltern nicht reicht, die von der Kita eine längere Betreuung gewohnt sind?

Merx: Es gibt ja auch jetzt schon eine Nachmittagsbetreuung an der Grundschule. Die müsste gegebenenfalls dem neuen Bedarf zeitlich angepasst werden.

Auf dem Weg zur Schule sind wir gerade an einer anderen Großbaustelle vorbeigelaufen. Was verbinden Sie mit der Umgestaltung rund ums Bürgerhaus?

Merx: Die große Chance, im Rahmen des Sanierungsgebiets Ortskern III zugleich den Straßenraum an den Hauptadern neu zu gestalten. Es ist wichtig, dass wir zum Beispiel den Kreuzungsbereich an der Beindstraße so anpassen, dass der Verkehr besser abfließen kann. Gerade am Nachmittag ist der Rückstau erheblich. Wir müssen zudem die verschiedenen Nutzer, also Autofahrer, Radler und Fußgänger, besser unter einen Hut bringen.

Wie kann das Ihrer Meinung nach gehen?

Merx: Man könnte sicher darüber nachdenken, ob man wie in anderen Gemeinden Fahrradstreifen anlegt. Aber wir Gemeinderäte sind da keine Fachleute. Und unser Gestaltungsspielraum ist ohnehin begrenzt, da wir von Kreis- und Landesstraßen sprechen. Wir brauchen also einen guten Planer, der Sachverstand und vielleicht auch neue Ideen einbringt.

Apropos neue Ideen: Ihre Fraktion hatte Anfang des Jahres einen Antrag zur Ergänzung von öffentlichen WLAN-Zugängen eingereicht. Was ist daraus geworden?

Merx: Das ist in Arbeit. Wir sind der Meinung, dass die von der CDU initiierten Hotspots am Badesee und auf dem Dorfplatz nicht ausreichen. Zumindest in den kommunalen Einrichtungen sollte man das hinkriegen. Auch in der Nordbadenhalle, im Hallenbad oder auf der Eisbahn gibt es viel Publikum, das freies Internet sicher gerne nutzen würde. Im Bürgerhaus hat man das inzwischen gemacht, wir sind also auf gutem Weg.

Schon komplett umgesetzt wurde Ihr Antrag auf die Einrichtung einer E-Tankstelle. Haben Sie da schon jemanden tanken sehen?

Merx: Ehrlich gesagt nicht, aber ich fahre da ja nicht jeden Tag vorbei.

Sagen wir’s mal so: Nach allem, was man so hört, ist die Nutzung überschaubar. . .

Merx: Das stört mich nicht. Der Antrag war richtig, um das Thema ins Bewusstsein zu rücken und vielleicht ein Umdenken in Gang zu setzen. Auch das Signal nach außen ist wichtig: Wir sind nicht mehr das Bauerndorf von vor 60, 70 Jahren, sondern wir sind innovativ. Wir müssen in die Zukunft denken. Mein derzeitiges Auto fährt zwar noch ein Weilchen, aber das nächste wird definitiv ein Elektro-Auto sein.

Was dürfen die Bürger in den nächsten Monaten noch von der SPD im Gemeinderat erwarten?

Merx: Das Thema Umweltmanager im Rathaus ist noch nicht vom Tisch.

Das war ein Antrag der Grünen, der 2017 abgelehnt wurde . . .

Merx: Wobei ich betont habe, dass wir das Thema nicht grundsätzlich ablehnen. Wir müssen uns auch als Kommune mit dem Klimawandel auseinandersetzen – siehe E-Tankstelle. Beim Antrag der Grünen fehlte uns aber eine Stellenbeschreibung mit konkreten, auf den Ort angepassten Handlungsfeldern.

Eine zusätzliche Stelle im Rathaus kostet aber dauerhaft Geld.

Merx: Ja, das ist so. Aber vielleicht kann man sich so eine Stelle auch mal mit einer anderen Kommune teilen. Außerdem: Der jüngste Zwischenbericht hat gezeigt, der Gemeinde geht es finanziell nicht schlecht. Das schafft Spielräume, um neue Dinge anzugehen.