Heddesheim

Heddesheim Architekt Sebastian Mandel möchte den denkmalgeschützten „Kaiser“ sanieren / Gewerbeflächen und Wohnraum geplant

„Wir wollen die Geschichte des Gebäudes bewahren“

Die Dielen sind verschlissen. Von unzähligen Schuhsohlen beim Tanzen unter dem goldfarbenen Leuchter bearbeitet. Wie viele Feste mögen hier gefeiert worden sein, im alten Saal des früheren Gasthauses zum Deutschen Kaiser? „Hier sieht man, wie das Haus gelebt hat“, sagt Sebastian Mandel fast ehrfurchtsvoll. Der 32-jährige Künstler und Architekt aus Käfertal weiß um seine Verantwortung. Er hat den „Kaiser“ gekauft und will ihn sanieren.

„Die Geschichte des Gebäudes wollen wir bewahren“, erklärt er beim Rundgang durch das Haus in der Heddesheimer Unterdorfstraße. Mit „wir“ bezieht er seine Frau Anja Langenbach ein, mit der er seine Begeisterung für das neue Projekt teilt. Mandel hat bereits das Haus des 2013 verstorbenen berühmten Fotografen Robert Häusser in Käfertal saniert. „So, als wäre es ein Denkmal“, versichert er. Was es aber nicht war – im Gegensatz zum „Kaiser“. Andere Käufer schreckt dieses Erschwernis ab, Mandel reizt genau das: „Ich wollte unbedingt ein Denkmal sanieren.“ Das 1890 erbaute Gast- und Wohnhaus, fast 130 Jahre im Besitz der Heddesheimer Familie Heinz, kam daher wie gerufen. Im Januar unterschrieb er den Kaufvertrag.

Räume mit Potenzial

„Wo die Reise hingeht“, ist für Mandel noch offen. Wohnraum soll entstehen, klar. Das Erdgeschoss, in dem sich derzeit das Restaurant Saloniki befindet, möchte er nach der Sanierung wieder gewerblich verpachten, gern für eine gastronomische Nutzung. Weil die aktuellen Wirtsleute nicht weitermachen wollten, nehme ein Makler die Vermarktung in die Hand. Auch im ersten OG kann sich Mandel eine gewerbliche Nutzung vorstellen. „Alles ist denkbar“, sagt er: „Wenn es Interessenten gibt, wird entsprechend geplant.“ Den Kaiser bezeichnet er deswegen gern als „Potenzialraum“.

Einen Ordner voller Entwürfe habe er bereits. Das meiste davon wird im Papierkorb landen: „Energetische Sanierung, Brand- und Denkmalschutz unter einen Hut zu kriegen, ist die große Herausforderung. Aber die suche ich.“ Wie viel Geld er am Ende investiert haben wird, weiß er heute selbst noch nicht.

Mandel steht im Hof auf der Rückseite des Hauses. „Hier sieht man, wie der Kaiser gewachsen ist“, sagt er beim Blick auf den schmucklosen Anbau aus den frühen 1970er Jahren. Er soll bei der Sanierung abgebrochen werden. „Früher gab es hier einen Eingang ins Treppenhaus, den wollen wir wieder herstellen“, erläutert der neue Eigentümer – gespannt, was dabei möglicherweise zum Vorschein kommt. Von der Straßenseite aus werde sich die Optik des Gebäudes mit den schmucken Fensterläden hingegen nicht groß verändern.

Im Innern ist die Geschichte in ähnlicher Weise ablesbar: „Das Treppenhaus von 1890 und die Tapete aus den 60er, 70er Jahren“, sagt Mandel am Eingang zum Saal und schmunzelt. Das geometrische Wandmuster in Brauntönen versprüht so viel Retro-Charme, dass es fast wieder modern wirkt.

Oben im Dachgeschoss wartet die wohl größte Herausforderung auf den Architekten: zwei leerstehende Wohnungen und ein nicht ausgebauter Raum unter dem Gebälk. Der Zahn der Zeit hat die Räume aus heutiger Sicht unbewohnbar gemacht, „aber der Zustand insgesamt ist gut“, sagt Mandel: „Nichts vermodert, alles trocken.“ Jedoch lassen die kleinen Gauben wenig Licht hinein, und der Denkmalschutz begrenzt die planerischen Möglichkeiten. Lange Fensterbänder zwischen den Sparren könne er sich vorstellen, überlegt der Experte.

Im Sommer soll es losgehen

Nebenan, im nicht ausgebauten Dachstuhl, wird klar, was er meint. Zwischen alten Balken geht der Blick zum First knapp acht Meter in die Höhe. Ein kleines Loch lässt Sonnenstrahlen ins Innere. „Luft und Licht“ sind Mandels Assoziationen in diesem „Potenzialraum“, der vielleicht einmal eine Maisonette-Wohnung beherbergen könnte. „Ich glaube, wir haben insgesamt in Deutschland schon genug gebaut, wenn wir es richtig nutzen“, sagt er.

Noch im Sommer möchte der Architekt mit der Sanierung loslegen, frühestens Mitte 2020 könnte zumindest das Erdgeschoss fertig sein, schätzt er. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und Bürgermeister Michael Kessler lobt er ausdrücklich: „Das hat mir die Entscheidung, in Heddesheim zu investieren, erleichtert.“ Auch der Verwaltungschef ist angetan von den Plänen. „Es freut mich sehr, dass dieses denkmalgeschützte Gebäude fachgerecht saniert und dadurch in seiner Aussagekraft erhalten wird“, sagt er auf „MM“-Nachfrage. Innerhalb des Sanierungsgebietes Ortskern III könne die Gemeinde das Vorhaben finanziell unterstützen. „Wenn es gelänge, die gastronomische Nutzung auch in Zukunft aufrecht zu erhalten, wäre das begrüßenswert“, hofft Kessler, dass der „Kaiser“ an seine lange Tradition anknüpfen kann.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/heddesheim

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