Heddesheim

Heddesheim/Hirschberg Gruppenwasserversorgung Obere Bergstraße berät Sanierungskonzept für Wasserschutzgebiet / „Lösungen gemeinsam mit den Bauern finden“

Ziel: Weniger Nitrat, aber ohne Verbote

Seit 2001 gilt der Bereich Obere Bergstraße als Sanierungsgebiet beim Wasser, denn der Nitratgehalt liegt im Durchschnitt bei 80 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung beträgt jedoch 50 Milligramm pro Liter. Folglich sieht der Zweckverband Gruppenwasserversorgung Obere Bergstraße, dem die Kommunen Hirschberg und Heddesheim angehören, dringenden Handlungsbedarf.

In der jüngsten Verbandssitzung im Hirschberger Bürgersaal stellte das Ingenieurbüro Feldwisch das Sanierungskonzept vor. Das Büro erarbeitet ein solches auch für den Wassergewinnungsverband Lobdengau und die Eichelberggruppe. Von den Ladenburgern (Lobdengauverband) bezieht der Zweckverband Heddesheim/Hirschberg rund 75 Prozent des Trinkwassers, um die Grenzwerte einzuhalten.

Norbert Feldwisch erläuterte in seinem Zwischenbericht die schwierige Aufgabe: Auf der einen Seite soll der Nitratgehalt im Grundwasser gesenkt werden, auf der anderen Seite soll die landwirtschaftliche Produktion nicht eingeschränkt werden. Allerdings gilt gerade die Landwirtschaft aufgrund des Dünger-Einsatzes als Mit-Verursacher. Weitere Faktoren für die Nitratbelastung des Grundwassers sind die Bodenbeschaffenheit und die Witterung. Feldwisch nannte als Ziel eine angepasste und optimale Bewirtschaftung der Ackerflächen im Verbandsgebiet, auf denen derzeit viel Getreide angebaut wird. „Hierzu müssen wir Wege mit den Landwirten finden, um zu besseren Lösungen bei der Düngung, der Bodenbearbeitung oder dem Wechsel der Feldfrüchte zu kommen“, betonte Feldwisch. Pflanzverbote etwa beim Mais soll es nicht geben. Dies betonte auch der Verbandsvorsitzende, Heddesheims Bürgermeister Michael Kessler: „Es geht weniger um Verbote, sondern darum, gemeinsam mit den Bauern einen Weg zu finden, den Nitratwert zu senken.“

Kessler räumte ein, dass das Nitrat ein zentrales Thema beim Verband ist. Dies zeigte jüngst auch die Sanierung eines Brunnens in Ladenburg: Weil dieser vorübergehend nicht zur Verfügung stand, waren die Nitratwerte in Hirschberg und Heddesheim erhöht.

In einem nächsten Schritt will das Ingenieurbüro Informationen zur Tierhaltung und zum Einsatz von Biogasgülle einholen. In zwei bis drei Monaten kenne Feldwisch den Bestand. „Danach werden wir das Regierungspräsidium einbinden und Vorschläge ausarbeiten, die wir den Bauern präsentieren, um das Nitrat zu reduzieren“, erläuterte Feldwisch.

Ein weiteres großes Projekt steht in den kommenden Monaten an. Seit 2007 werden die Zählwerte der zwölf verbandseigenen Schachtbauwerke per Funk in das Wasserwerk übertragen. Damit können die Verbrauchswerte überwacht werden. Weil es allerdings immer wieder zu fehlerhaften Übertragungen komme, werde dringend eine neue Technik benötigt. Ein Vorschlag des Büros BIT Ingenieure Karlsruhe kommt dafür auf 205000 Euro. Ursprünglich waren 106 000 Euro eingeplant. Technisch bedingte Zusatzleistungen hatten ebenso wie allgemeine Preissteigerungen dazu geführt. Im Juni soll die Auftragsvergabe erfolgen.

Verbandsvorsitzender Kessler informierte zu Beginn der Sitzung ferner über die verschiedenen Kontrollen des Wassers: „Unser Wasser ist bester Qualität. Dies wurde bei allen Untersuchungen nach der Trinkwasserverordnung festgestellt.“

Einen Anbieterwechsel gab es beim Strom. Künftig bezieht der Zweckverband 100 Prozent Ökostrom von Energieversorgung Deutschland (EVD). hr