Heddesheim

Heddesheim Bürgermeister verabschiedet sieben Gemeinderäte / Fünf bis 25 Jahre im Ehrenamt aktiv / Goldener Ehrenring für Hans Siegel

Zusammen 153 Jahre Lokalpolitik

Archivartikel

Sieben Heddesheimer Gemeinderäte hat Bürgermeister Michael Kessler in der letzten Sitzung des „alten“ Gremiums verabschiedet – zusammen haben sie 153 Gemeinderatsjahre „auf dem Buckel“. Die Rekordhalter mit je 44 Jahren, Ursula Brechtel und Josef Doll, ernannte er zu Ehrenbürgern (wir berichteten). Aber auch den übrigen Ausgeschiedenen gab er Worte der Anerkennung mit. Rainer Hege (CDU) tat dies stellvertretend für alle Fraktionen.

Fünf Jahre im Amt war Nicole Kemmet – dass es mit der Wiederwahl knapp nicht geklappt hatte, bedauerte Parteikollege Hege nicht nur wegen ihrer geduldigen Hilfeleistungen für Fraktionskollegen in EDV-Nöten. „Du kannst Dich auf Dein Gegenüber einlassen, bist aber auch um ein offenes Wort nicht verlegen“, charakterisierte Kessler die 49-jährige BdS-Vorsitzende. „Bleib der Kommunalpolitik erhalten“, wünschte sich Hege – Wiedersehen im Rat nicht ausgeschlossen.

Künftig zwei Frauen weniger

Mit Ingrid Kemmet verabschiedete der Bürgermeister eine weitere Frau – und eine weitere Kemmet. „Der Name bürgt für Qualität“, scherzte Hege und sprach vom Verlust an „weiblicher Kompetenz gepaart mit Charme“. Als sehr engagierte Rätin, „die die meiste Präsenz bei Veranstaltungen und Terminen“ gezeigt habe, würdigte Kessler die 71-Jährige, die nach zwei Wahlperioden nicht mehr angetreten war.

Ebenfalls vor zehn Jahren erstmals gewählt wurde Kurt Klemm, dessen großes Wissen um die Natur sowohl Kessler als auch Hege hervorhoben. Dass dabei auch „die eine oder andere Meinungsverschiedenheit“ (Kessler) ausgefochten wurde, möchte man fast untertrieben nennen – dem Anlass angemessen war der versöhnliche Tenor aber allemal. Wenngleich Hege an Klemms „Beharrlichkeit“ erinnerte („Mancher würde das auf gut hellesemerisch als stur bezeichnen“), so anerkannte er: „Du kannst mit dem Gefühl ausscheiden, einiges für die Natur bewirkt zu haben.“

Was Klemm die Natur ist, sind Frank Hasselbring Wachstum und solide Gemeindefinanzen. „Das kam gebetsmühlenartig von Dir, und genau das hat zu Dir gepasst“, attestierte Hege dem FDP-Fraktionschef, der nach 15 Jahren nicht mehr kandidiert hatte. „Ihre Schlagfertigkeit, die Sie verbinden mit einem norddeutschen trockenen Humor, bereicherten unsere Diskussionen immer wieder“, sagte Kessler: „Ich bin mir sicher, dass uns das in Zukunft fehlt.“

Einen „echten Hellesema“ – seit 25 Jahren im Gemeinderat – verabschiedeten Kessler und Hege schließlich mit Hans Siegel, dem langjährigen Sängerbundsvorsitzenden mit seinem umfassenden Wissen über die Gemeinde. Familiär bestens vernetzt, habe Siegel die Menschen „mit all ihren Sorgen und Nöten“ verstanden, so Hege. „Davon konnten wir auch hier profitieren“, sagte Kessler. Offen in der Meinungsäußerung, aber dennoch um Konsens bemüht, „hast Du nicht polemisiert und keine Fronten aufgebaut“, lobte er Siegels produktiven Beitrag zur Arbeit im Rat. Zum Abschied nahm der 71-Jährige den Goldenen Ehrenring der Gemeinde entgegen.

„Wichtiger Generationswechsel“

Stellvertretend für alle Ausgeschiedenen ergriff Frank Hasselbring das Wort. „Wir verabschieden uns mit dem Gefühl, etwas für unsere Gemeinde getan zu haben“, sagte er. Auch wenn es manchmal unterschiedliche Auffassungen gegeben habe: „Wir haben immer wieder zu einer vernünftigen Zusammenarbeit zurückgefunden.“ Die Wahl des neuen Gemeinderats sieht er als „Schritt in Richtung Generationenwechsel“ – wichtig deshalb, da sich auch die Gesellschaft verändere. „Diesen Entwicklungen muss sich der Gemeinderat stellen“, so Hasselbring und wünschte den neuen Räten dafür „eine glückliche Hand“.