Heidelberg

Benefiz-Aktion Schwestern sammeln Geld mit Flohmarkt

10 581 Euro für Opfer der Buschbrände

Heidelberg.Die Mission für Alessa und Annina Ksionsek war eine ambitionierte. Denn was vor drei Wochen nicht weniger als die verrückte Idee einer Benefiz-Aktion für die Opfer der Buschfeuer in Australien war, nimmt im Verlauf dieses Mittags im Heidelberger Frauenbad beachtliche Konturen an.

Riesige Schlangen bilden sich vor dem historischen Club, um den Wohltätigkeits-Gedanken zu unterstützen – und sich mit preiswerter Mode dabei auch noch selbst etwas Gutes zu tun. Die Vorbereitungen für diese außergewöhnliche Veranstaltung waren dabei Triebfeder von persönlicher Erfahrung und großem Engagement gleichermaßen. Denn von einer siebenmonatigen Rucksack-Reise auf dem Inselstaat zurückgekehrt, empfand die 21-jährige Alessa Ksionsek nicht nur eine tiefe Dankbarkeit für die Gastfreundschaft, die ihr entgegengebracht wurde – sie wollte auch etwas zurückgeben. Die Einsamkeit im Nirgendwo des Outback, aber auch das bescheidene Leben zwischen Tütensuppe und natürlicher Prärie hatten die junge Studentin sichtbar geprägt.

Als sie in den ersten Tagen des neuen Jahres vom Ausmaß der verheerenden Flammen erfährt, fasst sie daher kurzerhand den Beschluss, ihren Kleiderschrank von Grund auf auszumisten und alles zum Verkauf anzubieten, auf was sie guten Herzens verzichten kann. Am Anfang steht dabei nicht mehr als ein simples Video auf Instagram, bei dem die entschlossene Influencerin ihre eigene Mode filmen und auf ihr Handeln hinweisen will. Die Reaktion jedoch überwältigt selbst Ksionsek, die die Kraft ihrer eigenen Reichweite plötzlich im besten denkbaren Sinne zu spüren bekommt. Im Handumdrehen schließen sich mehr als ein Dutzend Mode-Blogger an, die durch ihre Tätigkeiten auf Facebook und Instagram über exklusive Kleidungsstücke verfügen, um sie nun freiherzig zum Verkauf anzubieten. Mit Mäzen und Immobilien-Unternehmer Hans-Jörg Kraus gelingt die Buchung das Heidelberger Frauenbads, namhafte Kellereien, Caterer und Agenturen unterstützen den Benefiz-Gedanken ohne jedes wirtschaftliche Interesse. Es entsteht eine Atmosphäre, die die junge Influencerin freudestrahlend als „Rausch der Unterstützung“ beschreibt – und sie doch auch selbst bis an die Grenzen der Belastbarkeit fordert.

Denn für Alessa Ksionsek und ihre Schwester Annina folgen fortan Nächte des Lagerns und Etikettierens von insgesamt mehr als 1000 Einzelstücken. Im eigenen Keller werden Hosen und Röcke, Schuhe und Tops sortiert, bepreist und auf den großen Tag vorbereitet. Und während von der Dolce & Gabbana-Sonnenbrille bis hin zum Prada-Schuh Stück um Stück zur Kollektion dieses Tages hinzukommt, schließen sich mit dem Beauty-Experten Reza Shari und dem Fashion-Label Liebeskind auch große Namen der Mannheimer Szene dem Event-Flohmarkt an. An diesem Nachmittag: ein wahrer Triumph. Im „MM“-Gespräch stellt die Heidelbergerin Lilli Scheller wohl stellvertretend für viele klar: „Wenn man den Second Hand-Gedanken so wunderbar mit der guten Sache verbinden kann, ist das einfach großartig!“ Und auch Organisatorin Alessa Ksionsek kann ihr Glück bei einer Gesamtspendensumme von 10 581,10 Euro, die dem WWF-Rettungsfonds für Australien zugutekommt, kaum fassen. Noch bei der Begrüßungsrede waren ihrer Schwester Annina und ihr die Tränen der Rührung im Gesicht gestanden. Nach sieben Stunden des tollen Treibens samt all der Mühen im Vorfeld sind es – aus gutem Grund – Tränen der Freude. „Wir haben zuvor noch nie ein größeres Ereignis als unsere eigene Geburtstags-Party geplant. Dass das jetzt so funktioniert hat, ist gigantisch. Alles, was wir uns an Gutem erhofft haben, ist weit übertroffen worden. Es ist kaum zu fassen!“, wie es Alessa Ksionsek in den Sonnenstrahlen des späten Nachmittags sagt – und Freude plötzlich wirklich greifbar wird. So hört es sich wohl an, wenn aus der Schönheit des Augenblicks Hilfe von Bestand erwächst.

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