Heidelberg

Geschichte Am 6. September 1693 sprengten französische Soldaten das Heidelberger Schloss

Als mächtige Mauern den Berg hinab poltern

Mächtige Rauchwolken steigen auf. Ziegel fallen herab, Holz zerbricht, der Turm verliert seine Spitze, Steine poltern herunter, gewaltiges Mauerwerk zerbröselt und saust den Hang hinab: Am 6. September 1693 sprengen französische Soldaten auf Befehl des Sonnenkönigs Ludwig XIV. das Heidelberger Schloss. Die Mauerteile der Ostbefestigung, die bei der Sprengung in den Graben stürzen, liegen dort noch heute weitgehend unverändert – seit 326 Jahren.

Die Sprengung ist ein bitterer Höhepunkt, aber noch nicht Abschluss vom Pfälzischen Erbfolgekrieg. Er tobt 1688 bis 1697 in der Kurpfalz. Ausgelöst wird er durch eine Klausel im Ehevertrag der kurpfälzischen Prinzessin Elisabeth Charlotte, genannt Liselotte von der Pfalz und Schwägerin des „Sonnenkönigs“. Als 1685 ihr Bruder, Kurfürst Karl II., kinderlos stirbt, erhebt Ludwig XIV. Erbansprüche auf Teile der Kurpfalz und lässt Truppen einmarschieren.

Ironie der Geschichte

Unter Führung des Generals Ezéchiel de Mélac verwüsten sie über Jahre hinweg viele Orte der Kurpfalz. Sie machen die Festung Mannheim dem Erdboden gleich, brennen Dörfer rund um Heidelberg nieder und legen schon im März 1689 die Lunte auch ans Heidelberger Schloss, die zu dem Zeitpunkt aber verlassene Residenz der Kurfürsten von der Pfalz. Aber sie hält stand – noch. Bei einem erneuten Angriff der Franzosen vier Jahre später werden aber Stadt und Schloss Heidelberg endgültig zerstört. Die Soldaten zünden 38 Minen, geladen mit 27 000 Pfund Pulver, damit die bis zu sieben Meter dicken Mauern einstürzen.

An beide Zerstörungen in den Jahren 1689 und 1693 erinnert die dreimal im Jahr, nun wieder am Samstag, 7. September, stattfindende „Schlossbeleuchtung“ mit bengalischem Feuer an den Schlossmauern und Feuerwerk. Ironie der Geschichte: Franzosen zerstören das Schloss nicht nur. Es ist der französische adelige Künstler Charles de Graimberg (1774-1864), der sich bei einer Reise so sehr in die Ruine verliebt, dass er hier 1810 einzieht und dafür wirbt, die Überreste der Residenz als Inbegriff einer romantischen Ruine zu bewahren.

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