Heidelberg

Zeremonie Heidelbergerin Jasmin Wagenblaß hält Trauerreden für verstorbene Hunde und Katzen

„Auch ein Tier ist ein Lebewesen, das Respekt verdient“

Archivartikel

Rhein-Neckar.Trauerreden und Zeremonien für ein totes Haustier: Was viele überrascht, ist für Jasmin L. Wagenblaß nichts Besonderes. „Die Trauer, die den Tierbesitzer umgibt, unterscheidet sich nicht von den Gefühlen für einen geliebten gestorbenen Menschen“, meint die gebürtige Heidelbergerin, die in der Pfalz und in Nordbaden Trauerreden auf tote Haustiere anbietet.

Ein Lebensbegleiter sei nicht mehr da und hinterlasse für Trauernde eine große Lücke. „Daraus resultiert oft der Wunsch nach einer liebevollen Verabschiedung. Und wenn sich Tierbesitzer für ihren treuen Freund eine Abschiedsfeier und eine Rede wünschen, helfe ich gerne“, sagte Wagenblaß, die beim Unternehmen „Seelenspiegel“ ihres Vaters angestellt ist. Trauerreden hält sie unentgeltlich gegen Vorlage einer Spendenquittung für eine Tierschutzorganisation.

Für viele ein Familienmitglied

„Das Verhältnis zum Tier ist heute anders als vor 30 oder 40 Jahren“, sagte auch Simon Hähnel, der in Neustadt eine Tierbestattung betreibt. „Tiere sind für viele fast ein Familienmitglied.“ Und auch Ursula Kugel von einem Tierbestattungsunternehmen bei Bad Ems meinte: „Früher lagen Hunde im Hof an der Kette, heute liegen sie im Haus auf der Couch.“

Jasmin L. Wagenblaß lernte zunächst den Beruf der Bibliotheksassistentin, dann Veranstaltungs- und Tagungsfachfrau. Die Ausbildung zur freien Rednerin absolvierte sie bei einem Rhetoriktrainer, Mentalcoach und freien Redner in Hessen. „Tiere waren schon immer ein fester Bestandteil meines Lebens“, sagte sie und erzählt von ihrem Langhaardackel Romeo und den West-Highland White Terriern Scotty und Falco. „Als Tierfreundin weiß ich, wie schmerzvoll der Abschied von einem Gefährten ist.“

Viele Tierhalter wünschen sich mittlerweile eine Zeremonie für ihren gestorbenen Begleiter – zum Beispiel im Tierkrematorium Ludwigshafen oder bei einer Bestattung. „Es ist wichtig, das Tier in seiner Abschiedsfeier so individuell wie möglich zu ehren und in Erinnerung zu bringen“, sagt Wagenblaß. Bei einem Gespräch berichte der Trauernde über Erlebnisse, Charakter oder Anekdoten des Tieres.

„Für viele sind solche Zeremonien vielleicht ungewöhnlich, aber auch ein Tier ist ein Lebewesen, das Respekt verdient“, meint sie. Das Verhältnis ändere sich – so gebe es mittlerweile Friedhöfe, auf denen eine gemeinsame Urnenbestattung von Mensch und Tier möglich sei.

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