Heidelberg

„Bauchklinik“ fit für die Zukunft

Heidelberg.Die Gänge hell und großzügig, bequeme Wartebereiche vor den Untersuchungsräumen und ein moderner Empfangsbereich: Das Krankenhaus Salem im Heidelberger Stadtteil Neuenheim hat das Erdgeschoss saniert und umgestaltet. Ermöglicht hat das eine Spende der Dietmar Hopp Stiftung in Höhe von fünf Millionen Euro – knapp die Hälfte der Gesamtkosten von rund zwölf Millionen Euro. Fast drei Jahre Umbauzeit haben Mitarbeitern und Patienten einiges abverlangt, weiß auch die Geschäftsführung.

In drei Baubabschnitten ist das Erdgeschoss – bei laufendem Betrieb – komplett entkernt worden. 2013 war die gute Nachricht aus Stuttgart gekommen, dass das Land Baden-Württemberg 6,8 Millionen Euro der Modernisierungskosten übernimmt. „Nur durch die Spende der Hopp Stiftung wurde die Maßnahme möglich“, betont Geschäftsführer Jürgen Unrath. Am 14. Januar 2016 war Baustart.

Auf rund 800 Quadratmetern entstanden jetzt neben dem Foyer mit Ankunftsbereich zwei breite Flure, die zu den Funktionsbereichen mit Endoskopie, Radiologie und Computertomographie (CT) führen.

Als 2011 das Mittelgeschoss ausgebaut wurde – die Stationen darüber standen bis dahin „auf Stelzen“ über dem Erdgeschoss – zogen die Operationssäle ein Stockwerk höher, in die neue Etage. Im Erdgeschoss standen die alten OPs seither leer. „So konnten wir nun den Raum nutzen und für die einzelnen Bauabschnitte die Funktionsbereiche dorthin umziehen“, beschreibt Unrath diese „Operation am offenen Herzen“, die nicht von Chirurgen, sondern von Architekten, Bauleitung und Handwerkern realisiert wurde. „Über der Baustelle lagen die Operationssäle, darunter die Küche“, beschreit Unrath. Wo gebohrt, geschraubt und gesägt wurden, hielten trennten Staubvorhänge die Patientenbereiche ab. „Es war zugig, eng und laut“, erinnern sich die Klinikchefs und Matthias Schärr, Vorstand der Evangelischen Stadtmission.

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Schwerpunkt Alkoholforschung

Aufatmen nun auch bei Helmut Seitz, dem Ärztlichen Direktor, international anerkannten Alkoholforscher und Gastroenterologen: „Mit der großzügigen Erweiterung ist die Voraussetzung geschaffen worden für das, was ich für die Zukunft eine Bauchklinik, also ein Krankenhaus spezialisiert auf Erkrankungen des Bauchraumes, nennen würde.“ Mit dem neuen CT stehen ihm und seinen Kollegen zusammen mit der modernen Sonografie beste Untersuchungsgeräte zur Verfügung.

Ergänzt haben die „Salem“-Experten das mit einem weltweit einmaligen Prototypen: Die Suszeptometrie ermittel dank magnetischer Kräfte eine Eisenmessung in der Leber. Im vergangenen Jahr veröffentlichten die Heidelberger Forscher eine Arbeit im Fachjournal dazu. Man habe belegen können, dass die Messung gleich aussagekräftig ist wie die bisherige Untersuchungsmethode der Wahl, die Biopsie. „Unseren Patienten bleibt aber der Eingriff im Körper erspart“, erklärt Oberarzt Sebastian Müller.

„Der Eisenwert in der Leber gibt schon in einem sehr frühen Stadium einer Leberschädigung Hinweise darauf“, beschriebt Seitz die Bedeutung. Auch diese Studie sei von der Hopp Stiftung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt worden – genauso wie 2006 mit der Lautenschläger Stiftung die Alkoholforschung am Salem angeschoben wurde.

Rund 10 000 Patienten werden pro Jahr stationär im Salem betreut. Über 3000 Patienten davon benötigen die Behandlung der Inneren Medizin. Auch die Urologie von Chefarzt Christian Weber hat über die Stadt hinaus einen sehr guten Ruf. Bekannt und beliebt ist das Salem nicht zuletzt bei werdenden Müttern und Vätern: 1200 Babys kommen hier pro Jahr zur Welt.

„Wir sind nun fit für die Zukunft“, freut sich Unrath über das moderne Klinik-Entrée und die Funktionseinheiten im Erdgeschoss. Doch ein Krankenhausgebäude wird stark beansprucht – und hat daher auch ständig Ausbesserungsbedarf. Daher haben Unrath und Seitz bereits den nächsten „Brocken“ im Blick: Die Bettenstationen im ersten bis dritten Stock müssen saniert werden. „Förderanträge sind bereits gestellt“, bestätigt Unrath.

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