Heidelberg

Podiumsdiskussion Vertreter aus der Szene wünschen sich mehr finanzielle Förderung von Live-Musik und Abbau von Bürokratie

Clubs fordern Unterstützung

Rhein-Neckar.Im Großen und Ganzen herrschte Konsens bei der Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in Mannheim. Alle Beteiligten waren sich – jedenfalls mehr oder weniger – einig, dass die Livemusik mehr Förderung verdient. Auch ein Abbau von Bürokratie wäre wichtig, um die Szene am Leben zu halten. Insbesondere um neuen, ambitionierten Clubbetreibern und Veranstaltern den Einstieg in die Szene zu erleichtern. Klar scheint jedoch, dass es um die Spielstätten wohl noch nicht so schlecht bestellt ist, wie der für die Veranstaltung gewählte Titel „Gute Nacht, Rhein Neckar“ suggerieren mochte. Das sei aber vor allem der Kreativität der Betreiber zu verdanken, die Livekonzerte oft mit allerlei anderen Veranstaltungen querfinanzieren müssen.

Zu der Veranstaltung hatte am Donnerstagabend die Regionalgruppe Rhein-Neckar der Kulturpolitischen Gesellschaft geladen. Im Mannheimer Jazzclub Ella & Louis diskutierten die Clubbetreiber Thomas Siffling (Ella & Louis), Felix Grädler (Halle02 in Heidelberg) und Margit Gehrisch (Rex in Bensheim). Außerdem die Musikerin Alexandra Lehmler aus Mannheim und der Mannheimer Nachtbürgermeister Hendrik Meier. Moderiert wurde die Veranstaltung von David Maier, Kulturkoordinator der Stadt Worms.

Mitunter hitzig diskutiert wurde die Notwendigkeit von Subventionen. Grädler ließ keinen Zweifel daran, dass es „mehr kulturelle Förderung braucht“ weil „die Rahmenbedingungen immer schwieriger werden.“ Margit Gehrisch sah das etwas anders: „Ich habe mein ganzes Leben lang noch keine Zuschüsse bekommen. Für mich ist das ein Antrieb, kreativ zu sein, mehr zu machen.“ Sie räumte aber ein:„Die Tribute-Bands bringen uns das Geld, mit dem wir uns ein künstlerisch anspruchsvolles Programm überhaupt erst leisten können.“

Subventionen gefordert

Felix Grädler empört das: „Das ist doch pervers: Wir wollen einen Livemusik-Club betreiben, müssen dann aber Business-Events oder Escaperoom-Veranstaltungen machen, um uns auch coole Acts leisten zu können.“ Nicht selten sei es so, dass seine Halle02 sogar bei ausverkauften Konzerten drauflege. „Dafür muss ich dann mit einer 90er-Party wieder meine Seele verkaufen.“

Thomas Siffling will „erst einmal beweisen, dass es funktioniert – und dann um strukturelle Förderung bitten.“ Etwaige Subventionen müssten „unbedingt auch an die Künstler weitergegeben werden“, wünschte sich Alexandra Lehmler. Die Chance auf eine Förderung seitens der Stadt Mannheim schätzte Siffling als gut ein. Diskutiert wurde auch über einen Fördertopf für die ganze Metropolregion, an der sich alle Städte beteiligen und durch den die Clubs in ganz Rhein-Neckar subventioniert werden. Siffling nahm aber auch die Kulturschaffenden in die Pflicht: „Wir denken viel zu oft viel zu defensiv. Wir müssen mehr fordern.“ Als Beispiel nannte er das selbstbewusste Auftreten von Intendanten, „die ganz selbstverständlich mit ganz anderen Summen hantieren. Wir müssen klipp und klar sagen: Wir brauchen das und das und dabei einen auf dicke Hose machen.“ Auch Grädler wünschte sich „mehr Clubbetreiber die sich dafür zu einem Netzwerk zusammenschließen.“

Breitere Plattform für Subkultur

Hendrik Meier hofft auf eine breitere Plattform für die Subkultur: „Wenn ich sehe, wie viele Säulen für den Weihnachtsmarkt auf den Kapuzinerplanken werben, frage ich mich, warum nicht auch mal eine Säule für unsere Subkultur wirbt.“ In diesem Zusammenhang waren sich alle einig, dass es in Mannheim zu wenige Live-Clubs gibt. Für eine Unesco City of Music sei das ein Armutszeugnis, sagte der Nachtbürgermeister. „Für Konzerte fahre ich oft nach Weinheim oder Heidelberg, weil es hier einfach keinen Club für um die 200 Besucher gibt.“

Grädler hofft auf mehr Vielfalt in der Region: „Wir brauchen sehr viele verschiedene Clubs für die vielen verschiedenen Menschen“. Wichtig sei es schnell zu handeln, „solange noch nicht alles am Boden ist – wie in Heidelberg“.