Heidelberg

Reaktion Neurobiologin und Leibniz-Preisträgerin Hannah Monyer stellte mit Gerontologe Andreas Kruse und Astrophysiker Matthias Bartelmann dem Dalai Lama Fragen

„Dachte, nicht die Richtige für das Thema zu sein“

Archivartikel

Heidelberg.„Es war ein ganz besonderes Erlebnis“: Tief bewegt behält Neurobiologin und Leibniz-Preisträgerin Hannah Monyer den Vormittag mit dem Dalai Lama in Erinnerung. Die Professorin am Zentrum für Molekulare Biologie der Uni Heidelberg und Direktorin einer an Uni und DKFZ angesiedelten klinischen Abteilung saß mit Gerontologe Andreas Kruse und Astrophysiker Matthias Bartelmann auf dem Podium. Ihre Fragen an den 83-Jährigen wurden indes nicht beantwortet – zumindest nicht umgehend.

„Ich schätze die Arbeit des Deutsch-Amerikanischen Instituts sehr“, begründet die Expertin für biologische Vorgänge im Gehirn und für das Gedächtnis ihre Zusage. „Obwohl ich eigentlich dachte, gar nicht die richtige Person für das Thema ,Glück und Verantwortung’ zu sein.“ Dann habe sie sich gründlich vorbereitet, sich unter anderem mit Empathie beschäftigt. „Meine Frage an den Dalai Lama war, wie es zusammenpasst, dass der Mensch eigentlich nach Individualität strebt und so in der Evolution erfolgreich war, auf der anderen Seite aber ein Gemeinschaftswesen ist.“ Wie die beiden Forscherkollegen – und das Publikum – hatte sie den Eindruck, darauf keine Antwort zu bekommen.

Indirekt aber schon: „Er sprach über das Gleichgewicht und Gruppengefüge und wie gefährlich es für den Einzelnen und die Gesellschaft ist, wenn es zu einem Extrem pendelt.“ Aus ihren Forschungen am Gehirn weiß Monyer, dass Menschen Schmerzen, die andere erleiden, nachfühlen können. Kognitive Fähigkeiten lassen das ertragen. „Er hat mindestens fünf Mal gesagt: Nicht zu viele Emotionen“, gibt sie den Appell des Dalai Lama wieder, stets aus der eigenen Mitte Kraft zu schöpfen, von der die Gemeinschaft profitiert. „Kognitive Strukturen sind wichtig für moralisches Denken“, beschäftigt sich Monyer mit den Impulsen des Gesprächs.

Zum Abschluss beim Essen – neben dem Dalai Lama saßen die Forscher, DAI-Chef Jakob Köllhofer und Oberbürgermeister Eckart Würzner am Tisch – sei entspannt geplaudert worden. Was es zu Essen gab? Grünen Spargel in allen Varianten – eine Lieblingsspeise des geistlichen Oberhauptes der Tibeter. miro

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