Heidelberg

Reformation Katholiken und Protestanten planen Vereinbarung zur Gleichberechtigung der Konfessionen / Unterschrift am 31. Oktober

Dekane möchten "Mauer" überwinden

Heidelberg.Eine gespaltene Glastafel erinnert in der Südostecke der Heiliggeistkirche daran, dass dort 230 Jahre lang eine Mauer den Chorraum vom Langhaus trennte, um katholischen und evangelischen Christen einen gemeinsamen Gottesdienst unmöglich zu machen. Eine mentale Mauer, die heute noch zwischen den Konfessionen stehe, wollen auch Marlene Schwöbel-Hug und Joachim Dauer symbolisch einreißen.

Die Dekane der evangelischen und der katholischen Stadtkirche in Heidelberg haben sich dafür den Reformationstag am 31. Oktober ausgesucht. In einem ökumenischen Gottesdienst wollen sie zusammen mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) eine sieben Punkte umfassende Vereinbarung unterschreiben, in der sich neben Katholiken und Protestanten auch Gemeinschaften wie die anglikanische English Church, die griechisch-orthodoxe Gemeinde und evangelikale Freikirchen als gleichberechtigt anerkennen.

"Für uns ist das nicht spektakulär", wollte Joachim Dauer das Papier eher als eine Beschreibung des momentanen Zustandes als eine Absichtserklärung für künftiges Handeln verstanden wissen. Während eines Pressegesprächs im Schmitthenner-Haus, nur wenige Meter von der Heiliggeistkirche entfernt, erläuterte er mit Marlene Schwöbel-Hug und der Vorsitzenden des ACR, Pfarrerin Sybille Baur-Kolster, den Inhalt der Erklärung. Der volle Wortlaut soll erst nach dem Gottesdienst an die Öffentlichkeit gelangen.

Knapp ein Jahr rangen die Beteiligten der zehn Mitglieder des ACR um eine endgültige Formulierung, was deren Deutlichkeit aber nicht geschadet habe. "Wir konnten sie mit Beispielen füllen", beschrieb Dauer das Papier als ein auf Heidelberg zugeschnittenes Konstrukt. Die Vereinbarung nennt unter anderem die "volle Abendmahlsgemeinschaft" und den Umgang der jeweiligen Amtsträger als gleichwertige Repräsentanten einer "Kirche Jesu Christi" miteinander. "Es soll sich niemand auf Kosten des anderen profilieren", machte Dauer deutlich. Für ihn sei das Abendmahl, das die Protestanten ruhig öfter feiern sollten, ein verbindendes Sakrament.

Gesellschaftlicher Nutzen

Aus der schon jetzt engen Kooperation etwa in der religiösen Bildung, die in der Erklärung als "wichtige Aufgabe" genannt wird, oder bei Verhandlungen über die Trägerschaft von Kindergärten könne ein gesellschaftlicher Nutzen entstehen, ergänzte Schwöbel-Hug. In der praktischen Arbeit werde sich also wenig ändern, fügte Baur-Kolster noch hinzu, doch sei die erreichte Einigung dafür umso höher zu bewerten.

Am Reformationstag wird der Altarraum der Heiliggeistkirche ab 18 Uhr wieder verhüllt sein, ehe Tänzer und Sänger aus dem Unterwegstheater mit einem Lichtkunstduo aus Tübingen diese ästhetische Mauer einreißen, um die Gottesdienstbesucher am Schulterschluss der Kirchenvertreter zu beteiligen.