Heidelberg

Enjoy Jazz I Tarkovsky Quartet webt feine Traumgespinste

Der Moment vor dem Erwachen

Heidelberg.Zu Beginn ein Hauch Sopransax, zarte Flügel-Innereien, Celloklänge mit fragilem Strich und ein fast unhörbares Einatmen von Seiten des Akkordeons: Traumgespinste werden in der Heidelberger Heiliggeistkirche zu Klang. Und häufig, etwa wenn die reinen Dreiklänge durchaus ein bisschen an den Komponisten Arvo Pärt erinnern, wird diese Musik auch traumhaft schön.

Wenn Melodien eines unbekannten Meisters aus dem späten Mittelalter auftauchen, tritt ein vergleichbarer Effekt ein. Wer den Kino-Visionär Andrei Tarkowski als Idol und Namensspender auswählt, muss sich nun mal frei durch die Jahrhunderte bewegen können. Der hat, unter anderem, in dem Science-Fiction-Film "Solaris", untermalt von Bach-Choralvorspielen, selbst die Schneebilder von Pieter Brueghel in den Weltraum transzendiert.

Freie Improvisationen

Assoziativ ist auch die Traumtonsprache des vom Pianisten François Couturier geleiteten Tarkovsky Quartets. Das ist gewissermaßen logisch: Träume müssen, in Musik verwandelt, eine freie Improvisation sein, oder? Allerdings gibt es auch komponierte Abschnitte, wie nicht allein die Notenständer auf der Bühne andeuten. Wollte nicht Sigmund Freud die Traumdeutung zur Wissenschaft erheben und mit ihr die dunklen Seite einer Psyche an den Tag bringen? Bei den Tarkovsky-Musikern ist es zumindest ähnlich: Auch in ihren Träumen macht der suggestive Wohllaut manchmal Pause, etwas Hartes, Spukhaftes, Nervöses dringt dann in sie ein.

Cellistin Anja Lechner ist die Therapeutin, die im Anschluss voller Wehmut eine alte Weise anstimmt, auf dass alles wieder gut werde. Akkordeonist Jean-Louis Matinier lässt seine Klangflächen oft ungeschützt im Raum stehen. Saxofonist Jean-Marc Larché, klar und zentriert im Ton, benutzt als Einziger fast jazzige Phrasierungen. Die sind dem Pianisten eher fremd, doch François Couturier, ein zarter, kleiner Mann, der in der großen Heiliggeistkirche ständig zu frieren scheint, ist trotzdem eindeutig der Regisseur des Ganzen. Der Tarkowski, sozusagen.