Heidelberg

Ein Gewinn für alle

Michaela Roßner über den Einsatz von Studenten in der Corona-Krise.

Inmitten all der schlimmen Nachrichten aus dem In- und Ausland geben solche guten Botschaften unglaublich viel Hoffnung: Nach einem Aufruf von Wissenschaftsministerium und Medizinfakultät haben sich in wenigen Tagen allein in Heidelberg mehr als 1000 Studierende gemeldet, um das Gesundheitssystem während der Corona-Pandemie zu stützen.

Deutschland ist mit rund 28 000 Intensivbetten sehr gut aufgestellt im internationalen Vergleich. Landauf, landab werden gerade Notkrankenhäuser aufgestellt. Der Knackpunkt: Schon vor der Pandemie suchten die Kliniken händeringend nach qualifiziertem Personal.

Unter den Freiwilligen, die sich nun an der Universität meldeten, sind mehr als 800 junge Menschen, die ein Medizinstudium absolvieren und schon erste Grundkenntnisse oder gar eine Ausbildung in der Gesundheitsversorgung vorweisen können. Andere studieren fremde Fächer, haben sich aber auf eigene Kosten oder im Dienst einer Rettungsorganisation zum Beispiel als Sanitäter ausbilden lassen. Sie sind keine „Ärzte zweiter Klasse“, aber sie können die Mediziner und Pflegekräfte entlasten, indem sie ihnen Telefondienste und Standardhandgriffe abnehmen.

Sie werden viele Erfahrungen sammeln in den nächsten Wochen. Auf Augenhöhe mit den Profis der Pflege und den erfahrenen Ärzten bekommen sie die Möglichkeit, sich in der Praxis einzubringen. Und Freude am Umgang mit den Patienten zu spüren. Oft ist das Medizinstudium wegen seiner Theorielastigkeit gescholten worden. Nichts ersetzt die echte Erfahrung – vor allem unter extremen Bedingungen, wie wir sie gerade erleben.

Ein Medizinstudent kostet eine Universität im Jahr mehr als 30 000 Euro. Das Geld ist vor allem eine Investition in die Zukunft der Gesellschaft, nicht nur des Einzelnen. Diese Studierenden, die die vorlesungsfreie Zeit nutzen, um zu helfen, wo sie jetzt so dringend gebraucht werden, sind schon heute ein großer Gewinn – für uns alle.

Zum Thema