Heidelberg

Konversion Auf Patton Barracks entsteht ein Gewerbegebiet für Firmen aus den Bereichen IT, digitale Medien und Bioinformatik / Richtfest auf ehemaligem Fußballfeld

Ein kleines Silicon Valley wächst

Heidelberg.„Es ist klar sichtbar: Sie haben hier schon einiges geleistet.“ Michael Kleiner, Ministerialdirektor aus dem baden-württembergischen Wissenschaftsministerium, hat indes nicht nur lobende Worte mitgebracht auf die Konversionsfläche Patton Baracks, sondern auch eine Förderzusage: 2,6 Millionen Euro bekommt die Stadt aus dem Etat der Städteförderung. Das ist eine der höchsten Einzelsummen, die das Land aktuell vergibt. Obendrauf legt das Land 450 000 Euro, mit denen ein Quartiermanagement im Hasenleiser unterstützt wird.

Direkt nebenan ist bereits Richtfest gefeiert worden: Das Business Development Center Organic Electronics (BDCOE) – also Wirtschafts- und Entwicklungszentrum für organische Elektronik – wird als multifunktionales Büro- und Laborgebäude mit 4400 Quadratmetern gebaut. Hier sollen ab 2019 junge Technologiefirmen flexibel Flächen mit anmieten. Auf drei Stockwerken sind Büroflächen, Werkstätten und Labore vorgesehen. Dazu gibt es einen Konferenzbereich, eine Kantine und zwei Co-Working-Räume, die stunden-, tage- oder wochenweise zu mieten sind. Betrieben wird das BDCOE vom Technologiepark (TP) Heidelberg, einem gemeinsamen Unternehmen von Stadt sowie Industrie und Handelskammer (IHK). Für das neue Zentrum hat die Stadt elf Millionen Euro bereitgestellt, die Europäische Union und das Land beteiligen sich mit zusammen sieben Millionen Euro. Das Gebäude hat bislang die Form eines Bumerangs. Es soll die Form eines X-Chromosoms bekommen: dann, wenn irgendwann der zweite Bauabschnitt angegangen wird, wie TP-Geschäftsführer André Domin erzählt.

Im kalifornische Silicon Valley haben bekanntlich erfolgreiche Gründer wie die weltweiten Konzerne Google, Apple und Facebook ihre Keimzelle. Der erste „Leuchtturm“ des „kleinen Silicon Valley“ in Heidelberg entsteht auf dem ehemaligen Fußballplatz des Vereins Heidelberg Union. Die Stadt musste offenbar viel Überredungskunst aufwenden, um das Grundstück ankaufen zu können. Dafür kann hier nun auch schneller gebaut werden als auf der Konversionsfläche selbst, die direkt hinter dem Zaun liegt.

Auf dem Areal der ehemaligen Patton Barracks soll ebenfalls demnächst mit Hochbauten begonnen werden. „Bislang sind wir noch vor allem mit Abräumen beschäftigt“, erklärt Wolfgang Polivka, Leiter des Amtes für Liegenschaften. Nur sechs Gebäude bleiben stehen, zwanzig sind bereits abgerissen worden, nennt Konversions-Bürgermeister Hans-Jürgen Heiß Details. Noch dicke Fragezeichen stehen hinter den langgezogenen Stallungen aus Klinkersteinen: „Die Bausubstanz ist sehr schlecht“, weiß Polivka. Angedacht ist, hier einen Treffpunkt mit Gastronomie zu schaffen. Allein in die innere Erschließung der 14 Hektar großen Fläche im Stadtteil Kirchheim hat die Stadt 14 Millionen Euro gesteckt. „Wir möchten hier ein äußerst attraktives Gewerbegebiet entstehen lassen“, unterstreicht Baubürgermeister Jürgen Odszuck. Bis 2024 sollen in dem „HIP“ (Heidelberg Innovation Park) bis zu 4000 Menschen arbeiten. Außerdem entsteht hier die Großsporthalle für 5000 Zuschauer.

Die ersten HIP-Mieter stehen schon in den Startlöchern: Die Sino German Hi Tech Park Holding GmbH will einen deutsch-chinesischen Wissenschafts- und Technologiepark gründen.

Auch wenn schon viel geschehen ist auf der Konversionsfläche – es bleibt noch einiges zu tun, versichert Heiß. „Wir werden Ihre Unterstützung auch in den kommenden Jahren noch benötigen“ – diesen Satz von Heiß darf Ministerialdirektor Kleiner mit zurück nach Stuttgart nehmen.