Heidelberg

Stadtgeschichte Vor 400 Jahren wird der Heidelberger Schlossherr zum „Winterkönig“ gewählt

Ein verhängnisvoller Tag für Kurfürst Friedrich V.

Archivartikel

Heidelberg.Dieser 26. August – er ist sein Geburtstag, aber dieser Tag bringt ihm, ja der ganzen Kurpfalz kein Glück. Am 26. August 1596 im Jagdschloss Deinschwang bei Neumarkt in der Oberpfalz geboren, lässt sich Kurfürst Friedrich V. am gleichen Tag des Jahres 1619 zum König von Böhmen wählen. Doch genau das wird dem in Heidelberg residierenden Herrscher, seinem Schloss und der ganzen Kurpfalz zum Verhängnis.

Das Heidelberger Schloss, noch unzerstört und eher einer großen, mittelalterlichen Burg gleichend, erhebt sich damals noch stolz am Nordhang des Königstuhls. Die Residenz der Kurfürsten von der Pfalz gilt als eine der prächtigsten Schlossanlagen Europas jener Epoche – denn Versailles, im Barock dann Vorbild, gibt es ja noch nicht. Friedrich V. und seine Frau Elisabeth Stuart, immerhin Tochter des englischen Königs, sind auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Der „Englische Bau“ mit seiner Prunkfassade ist gerade erst fertiggestellt, der „Hortus Palatinus“ als einer der berühmtesten Gärten befindet sich im Bau. Doch statt dort Spaziergänge zu machen, wird Friedrich V. angetrieben von den damaligen Glaubenskämpfen. Schließlich stammt er aus der calvinistischen Linie der Wittelsbacher, ist Anführer der protestantischen Fürsten im Reich und Rivale des katholischen Kaisers.

In Böhmen werfen die überwiegend protestantischen Stände ihrem König Ferdinand von Habsburg vor, die von Kaiser Rudolf II. im Majestätsbrief von 1609 zugestandene Religionsfreiheit der Protestanten zu verletzen. Das führt zum Aufstand. Die Stände erklären König Ferdinand für abgesetzt – und suchen sich den Nachfolger ausgerechnet in Heidelberg, denn da sitzt ein prominenter Protestant: Friedrich V.

Sieg der Katholiken

Er greift zu, lässt sich die zweieinhalb Kilo schwere Wenzelkrone voller Gold und Edelsteinen aufsetzen, und feiert mit viel Pfälzer Wein, lässt gar frisch geprägte Münzen unter das Volk werfen. Doch all das bringt ihm kein Glück, schwächt statt stärkt das protestantische Lager. Denn einen Protestanten vor ihrer Haustür wollen die Habsburger nicht dulden. „Viele Historiker sehen das inzwischen als den Auslöser des Dreißigjährigen Krieges“, so Uta Coburger, für Heidelberg zuständige Konservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten. Zumindest gilt die Schlacht am Weißen Berg am 8. November 1620 als erste große militärische Auseinandersetzung im Dreißigjährigen Krieg. Da schlagen die kaiserlichen und bayerischen Truppen der Katholischen Liga die protestantischen Böhmen – was Auswirkungen bis in die Kurpfalz hat.

Über Friedrich V. wird die Reichsacht verhängt, er muss fliehen. In der Folge fallen Truppen der katholischen Liga unter General Tilly über die Kurpfalz her. Am 16. September 1622 wird, nach mehrtägiger Belagerung und Beschießung, das Heidelberger Schloss eingenommen und ebenso zerstört wie zuvor schon viele kurpfälzische Gemeinden, darunter auch Mannheim. Und da Friedrichs Herrschaft in Böhmen nur ein Jahr gedauert hat, verspottet man ihn seither als „Winterkönig“.

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