Heidelberg

Heidelberger Frühling Neues Werk von David Philip Hefti

Eine Nacht der schönen Illusionen

Archivartikel

Das ist echter Luxus: Ein gewaltiges Orchester füllt die Bühne, aber viele seiner Mitglieder sitzen oft untätig herum und sind Geringbeschäftigte im Dienst der Hochkultur. So will es „Media nox“, eine „Musik zur dritten Nachtwache“ des Schweizer Komponisten David Philip Hefti, die ein Auftragswerk des Heidelberger Frühlings ist (gestiftet vom Verleger Dietrich Götze). Transparenz bedeutet Hefti alles, das Orchester ist in diesem Werk vor allem eine Echokammer für die Soloflöte – oder kleidet in höchst unaufdringlich arrangierten Vierteltönen einen edelmatten Sternenhimmel aus. „Ich mag es, Illusionen zu erzeugen“, sagt der Komponist.

Tatjana Ruhland ist bei dieser Uraufführung in der Heidelberger Stadthalle die ausgezeichnete Solistin. Ihrem alten, von der Tradition sanft in ein „feminines“ Rollenbild gedrängten Instrument noch neue Töne ablauschen zu wollen, mag vermessen wirken. Ruhland schafft es trotzdem, hauptsächlich im tiefen Klangregister. Aber Heftis Sprühregen an Farben rüttelt letztlich nicht am hergebrachten Flöten-Image, manchmal scheint der Komponist ein Debussy des 21. Jahrhunderts sein zu wollen. Dazu passt, dass der des 20. – der originale Debussy – danach zum Einsatz kommt: Tatjana Ruhland folgt den suggestiven arabesken Drehungen des Stücks „Syrinx“.

Klingende Rarität

Den Sternenhimmel im Konzert von Hefti wölbt die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, dirigiert vom noch recht jungen Briten Jamie Phillips. Es ist ein Gespann, das frühen Haydn („Le matin“) gerade dadurch adelt, dass es falsche Hektik und Geschäftigkeit vermeidet.

Auf Schloss Esterházy hat man Zeit, und nach der Frühstückssinfonie von Haydn kommt in Heidelberg ja noch die Schicksalssinfonie von Beethoven. Die Hörner sind in dieser Fünften eine Wand, die Celli beißen sich in ihren Noten förmlich fest. Bevor die Zugabe altenglische Idyllen malt, im Flüsterton „Es war einmal“ verspricht. Es ist das Vorspiel zu der Oper „Irmelin“ von Frederick Delius. Eine wirklich schöne Rarität.