Heidelberg

Entwarnung nach Chemieunfall in Heidelberg-Wieblingen

Archivartikel

Heidelberg.Aufgrund einer chemischen Reaktion in einer Firma in Heidelberg-Wieblingen, die zu starker Rauchentwicklung führte, ist die A5 zwischen den Anschlussstellen Heidelberg/Schwetzingen und Dossenheim am Samstagmorgen in beide Richtungen voll gesperrt worden. Nach einem Großeinsatz von Rettungskräften wurde die Autobahn gegen 9.50 Uhr wieder freigegeben. Nach Informationen der Polizei gab es fünf Leichtverletzte - eine Feuerwehrfrau, drei Polizeibeamte und eine Passantin - die alle über Kopfschmerzen und Schwindelgefühl klagten.

Nach Angaben der Stadt Heidelberg wurden nach dem Vorfall keine erhöhten Schadstoffwerte gemessen. Die Bevölkerung war zuvor auch im angrenzenden Rhein-Neckar-Kreis angewiesen worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten.  

Wie die Polizei mitteilte, kam es kurz vor 6 Uhr im Bereich der Firma Kluthe-Rematec zu einer ungewollten chemischen Reaktion von 3.000 Litern eines Gemischs aus Chemierückständen. Dadurch soll sich ein Überdruckventil geöffnet haben, was in der Folge zum Austritt einer dichten Rauchwolke begleitet von einem beißenden Geruch führte. Zum Zeitpunkt der chemischen Reaktion wurden keine Arbeiten im Werk durchgeführt. Die Reaktion stoppte von selbst nach zwei bis zweieinhalb Stunden. Zeitweise waren bis zu150 Einsatzkräfte vor Ort.

Die Feuerwehr richtete nach Angaben der Stadt 13 Messstandorte im angrenzenden Stadtgebiet und im Rhein-Neckar-Kreis ein. Sie wurde dabei unter anderem durch die Analytische Task Force der Feuerwehr Mannheim - eine von bundesweit nur acht vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe getragenen Spezialeinheiten für die Analyse von radioaktiven, biologischen oder chemischen Stoffen - sowie mehrere Freiwillige Feuerwehren aus dem Rhein-Neckar-Kreis und dem Kreis Bergstraße unterstützt. "Das zeigt, dass wir uns in der Not in der Region gut aufeinander verlassen können", so Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht. Er hielt ebenso wie der Führungsdienst der Mannheimer Feuerwehr engen Kontakt zum Stab in Heidelberg, da es am Morgen so aussah, als könnte die Windrichtung drehen und damit die Quadratestadt betroffen sein.

Nach bisherigen Erkenntnissen war es bei der Aufarbeitung von Lösungsmitteln aus der Kunststoffindustrie zu dem Störfall gekommen. Dabei war von einem Rückstand von circa 3.000 Litern ein Teil entwichen. Der Prozess dient nach Angaben der Stadt der Wiederverwendung des Lösemittels Toluol. Der Stoff kommt zum Beispiel in Lacken und Klebstoffen vor. Die Umweltmessungen bestätigten, dass es sich bei der Freisetzung hauptsächlich um Toluol handelt. Die gemessenen Werte lagen den Behörden zufolge bis zum Nachmittag deutlich unter den Grenzwerten. Gemessen wurde eine Konzentration von 10 ppm (parts per million = ein Teil pro eine Million Teile), der Grenzwert beträgt hingegen 50 ppm.

Die Überprüfungen zum Unfall sind noch nicht abgeschlossen. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen. Die Anlage, in der sich der Störfall ereignete, ist bis auf weiteres außer Betrieb. Der Aufarbeitungsprozess dieses Stoffes wird von dem Unternehmen nach eigenen Angaben seit sechs Jahren störfallfrei betrieben. Der Betrieb kooperiert laut Stadtverwaltung eng mit der Heidelberger Berufsfeuerwehr, die dort bereits mehrfach Störfallübungen durchführte.

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