Heidelberg

Uniklinik Unregelmäßigkeiten von 2010 bis 2014 ungeklärt

Ermittlungenzu Herz-OP dauern an

Archivartikel

Heidelberg.Auch nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) zu ähnlichen Fällen in Göttingen dauern die Ermittlungen in Heidelberg an: Im Fall von Manipulationen der Empfängerliste von Spenderherzen am Universitätsklinikum sind die Akten noch nicht geschlossen. Das bestätigt Romeo Schüssler, Leiter der Heidelberger Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage.

Eine Prüfkommission der Ärztekammer hatte 2015 Unregelmäßigkeiten an mehreren Kliniken, darunter Heidelberg, festgestellt. Das Uniklinikum unter dem damaligen Chef Guido Adler erstattete Selbstanzeige. Demnach soll in 34 von 121 Herztransplantationen Patienten durch Manipulationen der Patientendaten ein günstigerer Platz auf der Empfängerliste verschafft worden sein. Die Unregelmäßigkeiten wurden für die Jahre 2010 bis 2014 festgestellt. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg ermittelt seit zweieinhalb Jahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung „durch manipulierte Listungen von Herztransplantationen“.

Unterschiede zu BGH-Fall

Ende Juni 2017 hatte der BGH den Freispruch eines Mediziners aus Göttingen bestätigt, der in Manipulationen um Leberspenden am dortigen Universitätsklinikum verwickelt war. 2012 war in Göttingen ein Organspendeskandal aufgedeckt worden, der sich auf fünf weitere Kliniken ausgedehnt hatte. Bei Leberpatienten war eine Dialyseabhängigkeit diagnostiziert worden, um die Chance auf eine Spenderleber zu erhöhen. Der Skandal hatte einen großen Vertrauensverlust zur Folge – die Zahl der Organspendewilligen ging zurück. Ganz vergleichbar sei der Heidelberger Fall möglicherweise nicht, differenziert Schüssler: „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass den Patienten in Heidelberg zudem Medikamente verabreicht wurden, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie ein Spenderorgan bekommen.“ Es sollen kreislaufstärkende Medikamente länger oder höher dosiert verordnet worden sein als erlaubt.