Heidelberg

Porträt Heidelberger Max Bommas folgt als Regisseur seinem Lebenstraum / Schon als Kind begeistert Trickfilme produziert

Erster Dreh mit Spielfiguren

Archivartikel

Heidelberg.Zelluloid, das sich knisternd um Filmspulen wickelt: Schon als Kind hat Max Bommas fasziniert im Heidelberger Karlstorkino miterlebt, wie Bilder sich bewegen – und welche Emotionen sie erzeugen, wenn auch noch Ton dazu kommt. Knapp ein Jahr nach dem Abitur am Kurfürst-Friedrich-Gymnasium (KFG) hat sich der 18-Jährige in der Stadt bereits als Regisseur einen Namen gemacht – und erste Werke als Produzent realisiert.

„Black Sky“ heißt die Produktionsfirma, die Bommas mit seinem Partner Joshua Winkler (18) gegründet hat. Die beiden kennen sich aus der Schule und ergänzten sich gut: Während der Kompagnon eine Karriere als Kameramann anstrebt, liebt Bommas es, Drehbücher zu schreiben und Regie zu führen. Auch Werbefilm-Aufträge haben beide schon an Land gezogen.

Spielfilm über Mark Twain

Ihr erster Spielfilm ist sechs Minuten lang und läuft in einer Dauerschleife in der Ausstellung „Travel is fatal to prejudice (Reisen ist tödlich für Vorurteile) – Mark Twain in Heidelberg“ im Mark Twain Center in der Heidelberger Südstadt. Es sind Szenen, die dem Besuch des amerikanischen Weltenbummlers 1878 nachempfunden sind. Nicht nur Schüler des Berufskollegs der Julius-Springer-Schule, sondern auch Bommas ist darin vor der Kamera zu sehen – aber nur sehr kurz.

Gerade noch vor Beginn der Corona-Schließungen sind am 15. März alle Szenen im „Kasten gewesen“. Mehrere Wochen Vorarbeit gingen den vier Drehtagen voraus. Mit Requisiten und Kostümen aus dem Theater und Möbeln unter anderem aus Privatbesitz wurde ein Raum im Mark Twain Center zum „Set“. Auch in der Alten Aula der Uni und an der Eingangstür zum Slavischen Institut wurde gedreht. Das Equipment, erzählt Bommas, habe mit einem Lkw transportiert werden müssen und war ausgeliehen. „Licht ist besonders wichtig“, weiß der Jung-Regisseur, der lange nachdenken muss über die Frage nach einem Vorbild und dann Wim Wenders nennt. Und der Lieblingsfilm? „Django Unchained“ von Quentin Tarantino.

„Filme, über die man nachdenken muss, um sie zu verstehen“ möchte Bommas produzieren. Und so bewirbt er sich gerade an mehreren Filmhochschulen im In- und Ausland, um das Handwerk von Grund auf zu lernen. Kein leichtes Ziel. In die Bewerbungsmappen und -aufgaben will er viel Energie und Zeit stecken. Seine Mutter, erzählt der nächste Woche 19-Jährige, habe ihm nur einmal in der Woche Fernsehen erlaubt, jeweils eine Stunde lang. „Sonst bekommst Du viereckige Augen“ sei die kindgerechte Erklärung gewesen. Bommas fand seinen Weg, den Hunger nach Filmen zu stillen und das Verbot zu umgehen: „Ich schaltete das Gerät ein, drehte aber den Ton ab“, erzählt er.

„Vielleicht habe ich so meine Sinne für den Ton geschärft und die Bilder und Emotionen, die er entstehen lässt“, fügt er hinzu. Meist schaute er seine Lieblingsserie „Balko“ an. Die Leidenschaft für Filme hat er mit seinem Stiefvater geteilt, der Kurzfilme im „Super 8“-Format schnitt und den Jungen regelmäßig mit ins Karlstorkino nahm. „Filme machen ist eine von vielen Kunstformen, sich auszudrücken“, beschreibt Bommas seine Faszination für das Medium – und wirkt da schon wieder so viel tiefgründiger, als man es von einem Gerade-noch-Abiturienten erwarten würde.

Satirischer Römerfilm

Der Stiefvater ist es auch, der ihm zeigt, wie man mit Playmobil-Figuren einen Trickfilm dreht. Ab der 10. Klasse entstehen mit Freunden weitere Filme – etwa ein Römer-Epos, das die Clique im Wald bei Heidelberg dreht. „In Victa“ hieß das satirische Werk. Auf Youtube ist der Psychofilm „Menschsein“ zu sehen, der 2018/2919 entstand. Es sei eine „audiovisuelle Umsetzung des ,Steppenwolf’ von Hermann Hesse.

Der Produktionsname „Black Sky (Schwarzer Himmel)“ verweist auf das erste Studio, das auf dem Dachboden eingerichtet ist. Dort sei es immer sehr dunkel.

Seit Ende 2019 sei viel passiert, hält Bommas Rückblick. „Neulich haben mich Freunde anderen Bekannten als .Regisseur’ vorgestellt, das fand ich schon ganz schön cool!“, gibt Bommas zu.

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