Heidelberg

258 000 Euro Bargeld und Goldbarren von Rentnerin erbeutet

Falsche Polizisten bringen Ältere um Geld - Gericht verhängt Strafen

Ältere Menschen lassen sich von vermeintlichen Polizisten teils so unter Druck setzen, dass sie ihr Geld den Kriminellen einfach überlassen. Immer mehr Täter setzen darauf - nicht jeder kommt damit durch.

Heidelberg.Weil sie als falsche Polizisten gutgläubige Senioren um ihr Hab und Gut gebracht haben, hat das Landgericht Heidelberg drei Männer zu Strafen verurteilt. Der für die Logistik zuständige 24-jährige Haupttäter muss wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs in drei Fällen und einem Versuch dazu vier Jahre und neun Monate in Haft, wie das Gericht am Dienstag mitteilte (Az.: 3 KLs 451 Js 24612/17 jug). Ein zur Tatzeit 18 Jahre alter Mittäter bekam eine Jugendstrafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung. Ein zweiter Angeklagter, ebenfalls 18 Jahre alt zur Tatzeit, muss zwei Wochen in den Jugendarrest und gemeinnützige Arbeit leisten. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Revision zum Bundesgerichtshof ist möglich.

Das Trio gab sich laut Gericht bei den älteren Opfern telefonisch als Polizisten aus, das deren Vermögen vor Kriminellen in Sicherheit bringen wolle. Die Männer versetzten die Senioren demnach in solche Angst um ihren Besitz, dass sie Geld von der Bank abhoben und dieses den vermeintlichen Ermittler übergaben. Auf diese Weise erbeutete die Bande laut Gericht im September 2017 bei einer 96-jährigen Frau aus Fellbach rund 258 000 Euro Bargeld und Goldbarren, die die Polizei wieder sicherstellen konnte. In zwei weiteren Fällen erschlich sich das Trio 44 000 und 29 000 Euro.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) gehen die Fallzahlen dieser Art des Trickbetrugs derzeit rasant nach oben. Im Jahr 2017 wurden demnach 1955 Fälle registriert, davon 1843 Versuche. Im Jahr 2016 waren es noch 225 Fälle, davon 182 Versuche. Der Schaden lag 2016 bei knapp 1,4 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr wurden die Geschädigten schon um insgesamt fast 5,3 Millionen Euro gebracht. Ein LKA-Sprecher sagte: "Auch 2018 haben wir weiter steigende Fallzahlen - die allermeisten bleiben aber im Versuchsstadium stecken."

So läuft der Betrug laut LKA ab: Die Täter suchen im Telefonbuch nach Vornamen, die altmodisch klingen und hinter denen womöglich ältere Menschen stecken. Sie geben sich am Telefon als Ermittler aus, die einem geplanten Einbruch auf der Spur sind. Wertgegenstände seien in Gefahr und sollten in sichere Hände kommen, versuchen sie ihre Opfer glauben zu machen. "Manchmal ruft auch ein vermeintlicher Staatsanwalt oder Rechtsanwalt an", erläuterte der Sprecher. Die Kriminellen, die auf den Respekt gegenüber Autoritätspersonen setzen, schärften ihren Opfern ein, mit niemanden über die Anrufe zu sprechen.

Unter dem Slogan "Vorsicht Abzocke" warnt das LKA davor, sich unter Druck setzen zu lassen. Wenn der Anrufer sich unter 110 melde, sei Vorsicht geboten: "Die Polizei ruft nie mit dieser Nummer an", erklärte der LKA-Sprecher. Mit Fremden sollte niemand über seine finanziellen Verhältnisse sprechen. Geld oder Wertgegenstände sollten nicht an unbekannte Personen übergeben werden. "Die Polizei holt niemals Wertsachen oder Bargeld bei den Leuten ab." (dpa)