Heidelberg

Jahresempfang TV Produzent Nico Hofmann Festredner beim Deutschen Krebsforschungszentrum / Dritte Staffel „Charité“ kommt

Filmreife Krebsforscher

Archivartikel

Heidelberg.Sie schauen sich die Laborarbeit an, beschäftigen sich mit der Geschichte – und sprechen vor allem mit Forschern und Ärzten: Zwei Autorenteams des Produzenten und UFA-Geschäftsführers Nico Hoffmann absolvieren seit vier Wochen ein ganz spezielles „Praktikum“ im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ): „Wir suchen nach einem Ansatz, wie man Krebsforschung filmisch erzählen könnte“, bestätigt der gebürtige Heidelberger Hofmann beim DKFZ-Neujahrsempfang im Neuenheimer Feld. „Was sie hier jeden Tag tun ist nichts anderes als eine permanente Verbesserung ihrer Welt“, lobte der Festredner seine Gastgeber.

Prävention gegen Krebs

Krebsforschung bleibt eine große Herausforderung, wie Michael Baumann, Wissenschaftlicher DKFZ-Vorstand im Jahresbericht vor rund 150 geladenen Gästen berichtet. Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland leben mit oder nach Krebs. 65 Prozent der Erkrankten leben nach der Diagnose noch mehr als fünf Jahre. „Das bedeutet aber auch, dass 35 Prozent der Patienten keine fünf Jahre überleben.“ Weltweit wird mit einem dramatischen Anstieg der Krebserkrankungen gerechnet – besonders in Ländern mit nicht sehr hohem Lebensstandard. Experten gehen davon aus, dass schon 2030 nicht mehr nur 500 000 Menschen die Diagnose erhalten, sondern 600 000. Die Forschung und Vorsorge müsse noch intensiviert werden: „Zwischen 50 und 75 Prozent aller Krebstodesfälle könnten durch Prävention verhindert werden“, zitiert Baumann Statistiken. In Berlin sei im Januar 2019 die Nationale Dekade gegen Krebs ausgerufen worden. Ein Nationales Krebspräventionszentrum und vier weitere Comprehension Center nach dem Vorbild des NCT in Heidelberg sollen bundesweit entstehen. Ursula Weyrich, seit rund fünf Kaufmännischer DKFZ-Vorstand, will sich unter anderem der weiteren Digitalisierung und Verbesserung der Prozesse widmen.

Mehr als fünf Jahre Recherche und Vorbereitung steckten in der TV-Serie „Charité“, berichtet Hofmann. Zwischen acht und fünf Millionen Millionen Fernsehzuschauer haben die ersten beiden Staffeln bei der Ausstrahlung verfolgt; auch in der Mediathek gehörte die eng an die Geschichte des Berliner Spitals angelegte Serie auf millionenfaches Interesse. „Die Dreharbeiten zur dritten Staffel haben vor einer Woche begonnen“, plauderte Hofmann aus der Produktionsarbeit. Die dritte Staffel soll erneut einen Zeitsprung machen und in den 1960er-Jahren spielen. Die ersten beiden Serien nahmen sich das 19. Jahrhundert und die Nazizeit zur historischen Grundlage.

In Heidelberg, berichtet Hofmann weiter, habe er unter anderem eine Krebsstation besucht und eine Ärztin erlebt, die trotz aller Aussichtslosigkeit der Krankheitsstadiums „unglaublichen Optimismus verbreitet und eine scheinbar unerschöpfliche Leidenschaft für ihren Beruf gezeigt habe.“

Ob Ferdinand Sauerbruch oder Robert Koch: Akribisch sei das Leben und Wirken jener Persönlichkeiten recherchiert worden, die in der Serie beschrieben werden. In der „Charité“ hätten aber nicht alle Hauptpersonen historische Vorbilder gehabt: Fiktive Personen seien so erfunden worden, dass es sie in dieser Zeit durchaus gegeben haben könnte, erklärt der Produzent. Die Aufgabe dieser Rollen: Den Zuschauer emotional zu binden und Spannung zu erzeugen. Apropos: Neben einem Fünf-Minuten-Trailer zur Serie zeigte Hofmann den Gästen – darunter einige Klinikchefs – auch zwei kürzere Videos zur Herstellung. So erfuhr man, wie Verwundete und Patienten bei Operationen durch Spezialeffekte und mit viel Silikon „filmreif“ werden. Die Serie, betont Hofmann weiter, habe der echten „Charité“ einen „immensen Imagegewinn“ beschert.

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