Heidelberg

Landgericht Große Strafkammer sieht Tat des 30-Jährigen als bewiesen an / Mit Strafmaß soll Abschreckung erzielt werden

Fünf Jahre Haft für falschen Polizisten

Heidelberg.Weil er nach Überzeugung des Landgerichts Heidelberg als falscher Polizist eine Frau um Schmuck und Geld im Wert von rund 300 000 Euro betrogen hat, muss ein 30 Jahre alter Mann ins Gefängnis. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in Tateinheit mit Amtsanmaßung verurteilten ihn die Richter gestern zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre gefordert, die Verteidigung wollte einen Freispruch erreichen.

Das Landgericht erkannte die Versuche von Zeugen, dem Angeklagten ein Alibi zu verschaffen, nicht an. „Mit dem Alibi hat es nichts auf sich“, betont der Vorsitzende Richter Christian Mühlhoff. Der Angeklagte hatte die Tat bestritten und angegeben, zur Tatzeit im Raum Hagen gewesen zu sein. Sein Anwalt Gerd Salzmann kündigte Revision an.

Das Gericht wollte nach Worten des Vorsitzenden Richters mit seiner Entscheidung auch eine Abschreckung erzielen. Die Frau Mitte 60 hatte im Februar nach stundenlangen Telefonanrufen durch vermeintliche Oberkommissare dem falschen Polizisten Bargeld und Schmuck im Wert von 300 000 Euro gegeben. Dieser hatte die Wertsachen nach eigenen Worten für Ermittlungszwecke beschlagnahmen wollen. Die Frau tat dies, nachdem die Betrüger am Telefon einen bevorstehenden bewaffneten Einbruch angekündigt und versprochen hatten, ihre Wertsachen in Sicherheit zu bringen.

Die Sinsheimerin hatte in der Hauptverhandlung angegeben, den korpulenten Angeklagten mit Sicherheit als denjenigen zu erkennen, der ihr schließlich die Tasche mit ihrem Eigentum abgenommen hatte. „Es steht fest, dass er der Abholer war“, betont Staatsanwalt Fuchs. Der Angeklagte sei in eine Bande eingebunden gewesen. Auch die Große Strafkammer befand mit Blick auf die Geschädigte: „Sie hat für uns sehr hohen Beweiswert.“ Die Identifizierung des Angeklagten durch das Opfer zog der Verteidiger hingegen in Zweifel.

Seine Mutter habe erleichtert auf das Urteil reagiert, sagt der Sohn des Opfers. Die Zeit der Scham darüber, den Betrügern geglaubt zu haben, sei vorbei. Oft wenden sich Betroffene gar nicht an die Polizei aus Scham, Betrügern auf den Leim gegangen zu sein. Deshalb dürfte die Zahl der Fälle des Falschen-Polizisten-Tricks weit über den offiziellen Angaben liegen. Das Landeskriminalamt in Baden-Württemberg registrierte1955 Fälle im Jahr 2017, davon 1843 erfolglose Versuche. Der Schaden belief sich auf 5,3 Millionen Euro. 2016 waren es noch 225 Fälle, davon 182 Versuche; der Schaden lag bei knapp 1,4 Millionen Euro.