Heidelberg

Wettbewerb Planer aus Ammersee und München überzeugen mit ihrem Entwurf für das Haus der Jugend die Jury

Funktional und verspielt

Heidelberg.So ein bisschen erinnert das Gebäude an ein bekanntes Spielzeug für kleine Kinder: In einen leeren Körper schiebt man Quader oder Würfel, die nur an dieser Stelle hineinpassen. Ein spielerischer Entwurf also ist es, der die Jury beim Architektenwettbewerb für das neue Haus der Jugend (HdJ) überzeugte. 93 Beiträge sind von Planungsbüros aus ganz Europa eingereicht worden. Jetzt steht der Sieger fest: Architekt Sebastian Murr aus Ammersee und Landschaftsplaner Dietmar Lennartz (L + P München) haben die Jury restlos überzeugt.

19 Entwürfe waren in die Endrunde genommen worden, erklärt Baubürgermeister Jürgen Odszuck das anonyme Verfahren. 15 Stunden hatten die Experten – darunter auch zwei Jugendgemeinderäte – am Dienstag getagt und schließlich entschieden. Am Montag davor schauten sich Jugendliche die 19 Finalisten an. Ihre Einschätzung floss in die Diskussion der Jury ein. Dabei galt strikte Geheimhaltung und Handy-Verbot: Wären Informationen nach draußen gelangt, hätte das gesamte Verfahren anfechtbar werden können – und wäre die Stadt teuer zu stehen gekommen.

Disco im Keller

Und so soll das neue Jugendhaus aussehen: Der Eingang zu dem zweigeschossigen Bau liegt im Osten und führt zu einem großen Foyer und einem großen Saal. Im Untergeschoss. ist – getrennt vom übrigen Gebäude nutzbar – eine Disco untergebracht, die auch barrierefrei per Aufzug erreicht wird. „Haus auf Houses – ein Haus aus mehreren Häusern“ nennen Murr und seine Kollegen das Gebäude: Die Fensterelemente stehen für die unterschiedlichen Nutzungsbereiche im Inneren – als wären kleinere Einheiten in den sonst schlichten Quader „hineingeschoben“ und scheinen „ein wenig aus der Reihe zu tanzen“, wie Murr –mit 37 Jahren einer der jüngsten beteiligten Architekten, beschreibt.

Die Planer sollten keine „Wolkenkuckucksheim“ bauen, sondern ein „angemessenes“ Haus von „gewisser Sachlichkeit“. Ein Budget von etwa sechs Millionen Euro musste von den Planern eingehalten werden, ergänzt Odszuck. Der Siegerentwurf biete beides – und dazu eine kleine Detailverspieltheit. Der Architektenwettbewerb war auch in die Internationale Bauausstellung eingebunden.

Im November 2015 startete der Planungsprozess mit einem Workshop und 120 Heranwachsenden, berichtet Sozial- und Kulturbürgermeister Joachim Gerner. Drei Monate lang lieferten Jugendliche – auch Schüler anderer Stadtteile – über die Online-Plattform WhatsApp Wünsche, Ideen und Vorschläge.

„Vor uns liegt noch viel Arbeit“, weiß Odszuck. Murr und Lennartz gehen nun an die Detailplanung, dann gilt es, Vertragsdetails auszuhandeln. Ende 2022 könnte – so die vorsichtigen Schätzungen – das neue Jugendhaus seine Tore öffnen. Planer und Vertreter des Bauamtes gehen von einer zweijährigen Bauzeit aus – inklusive Abriss des ausgedienten Hauses. Die Jugendarbeit soll in dieser Zeit aber nicht ruhen, versichert Jugendamtsleiterin Myriam Feldhaus.

Das Haus der Jugend ist nicht nur die traditionsreichste, sondern auch die größte Einrichtung der Jugendhilfe in der Stadt. Während der Bauzeit sollen Aktivitäten in andere Einrichtungen verlagert werden. Von den 100 Jugendlichen sei im Verfahren kein einziger abgesprungen, loben die Profis rund um den Jury-Vorsitzenden Eckart Rosenberger. Jürgen Schröpfer, Leiter des Hauses der Jugend, ist sehr positiv angetan, wie engagiert sich die Jugendlichen bei der Planungsarbeit eingebracht haben. Das sei bei der Verfahrenslänge alles andere als selbstverständlich: „Drei Jahre, das ist für Jugendliche eine ganze Generation.“